Ein­bruchs­dieb­stahl in eine Woh­nung

Sobald die Weih­nachts­märk­te öff­nen und die Men­schen zuneh­mend hek­tisch in den Geschäf­ten auf der Suche nach Weih­nachts­ge­schen­ken sind, steigt nicht nur das Per­so­nen­auf­kom­men in den Innen­städ­ten. Pro­por­tio­nal zum Besu­cher­an­drang erhöht sich auch die Anzahl der Taschen­die­be. Gera­de im Tru­bel der Fuß­gän­ger­zo­nen ver­schwin­det ger­ne mal hier und da die Geld­bör­se aus der Hand­ta­sche. Beson­ders gelohnt hat es sich für den Dieb, wenn er den Woh­nungs­schlüs­sel und dazu­ge­hö­ri­ger Adres­se gleich mit aus der Tasche ent­wen­det hat. Die Brief­ta­sche mit Per­so­nal­aus­weis gibt z.B. schon die erfor­der­li­chen Daten preis, damit dem Taschen­dieb­stahl gleich ein Woh­nungs­ein­bruch fol­gen kann.

Ein­bruchs­dieb­stahl in eine Woh­nung

In den letz­ten Jah­ren ist die Zahl der regis­trier­ten Woh­nungs­ein­brü­che immer wei­ter ange­stie­gen. Für das Jahr 2014 hat die Poli­zei­li­che Kri­mi­nal­sta­tis­tik über 152.000 gezählt. Im Ver­gleich zum Vor­jahr mit 149.000 Ein­brü­chen liegt die Stei­ge­rung bei ca. 2 %. Das Die­bes­gut hat­te dabei einen Wert von rund 422 Mil­lio­nen Euro. Aber der Scha­den der Ein­bruch­dieb­stäh­le besteht nicht nur aus den gestoh­le­nen Objek­ten, son­dern auch aus den Ein­bruch­spu­ren. Häu­fig stei­gen die Täter durch leicht erreich­ba­re Woh­nungs­tü­ren oder auch Fens­ter und Fens­ter­tü­ren in die Woh­nun­gen und Häu­ser ein. Dort hin­ter­las­sen sie bei der Suche nach loh­nen­den Objek­ten nicht nur ein gro­ßes Cha­os, son­dern auch star­ke Zer­stö­run­gen. Auch wenn vie­le Bür­ger der Mei­nung sind, dass es bei ihnen "Nichts zu holen gibt", sind nicht nur die Besit­zer von impo­san­ten Häu­sern und Vil­len die Opfer von Woh­nungs­ein­brü­chen. Sta­tis­tisch wer­den unauf­fäl­li­ge Ein­fa­mi­li­en­häu­ser und Woh­nun­gen in Meh­fa­mi­li­en­häu­sern genau­so oft von Ein­brü­chen heim­ge­sucht. Oft­mals suchen sich Ein­bre­cher ein bestimm­tes Wohn­vier­tel aus, in dem es dann inner­halb kür­zes­ter Zeit zu vie­len Woh­nungs­ein­brü­chen kommt. Beson­ders hart trifft es Pri­vat­haus­hal­te, denen der tat­säch­li­che Wert ihrer gestoh­le­nen Gegen­stän­de nicht klar war, so dass bei der Scha­dens­mel­dung eine Unter­ver­si­che­rung fest­ge­stellt wird.

Aus dem Kata­log der Regel­bei­spie­le des § 243 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 StGB a.F. ist der Woh­nungs­ein­bruchs­dieb­stahl 1998 im Rah­men des 6. Geset­zes zur Reform des Straf­rechts her­aus­ge­nom­men wor­den. Seit­dem ist es ein Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stand nach § 244, Abs. 1 Nr. 3 StGB und sieht kei­ne Rege­lung für min­der schwe­re Fäl­le vor. Außer­dem kann der Ein­bruchs­dieb­stahl aus Woh­nun­gen nicht mehr mit Geld­stra­fe geahn­det wer­den. Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs 1 ist auf­grund der deut­li­chen Straf­schär­fung im Rah­men der Geset­zes­än­de­rung eine genaue Begriffs­de­fi­ni­ti­on der Woh­nung im Sin­ne des § 244 Abs. 1 Nr. 3 StGB erfor­der­lich, um die­se von den übri­gen Räum­lich­kei­ten, die wei­ter­hin dem Schutz­be­reich des § 243 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 StGB unter­fal­len, abzu­gren­zen. Dar­über hin­aus han­delt es sich bei einem Woh­nungs­ein­bruchs­dieb­stahl um ein die Rechts­ord­nung in erheb­li­chem Maße beein­träch­ti­gen­des Gesche­hen, dass sich nicht allein am Wert des gestoh­le­nen Die­bes­gu­tes bemes­sen lässt 2. Die­se Ansicht hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le im Fall des Haft­grunds der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr (im Jugend­recht zumin­dest sinn­ge­mäß gel­ten­den § 112a Abs. 1 Nr. 2 StPO) ver­tre­ten – auch wenn ande­re Gerich­te, wie das Ober­lan­des­ge­richt Sach­sen-Anhalt oder das Ober­lan­des­ge­richt Hamm, von einer Erheb­lich­keit im Sin­ne des § 112a Abs. 1 Nr. 2 StPO erst ab einer Scha­dens­sum­me von mehr als 2.000 Euro aus­ge­hen. Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le betont, dass ins­be­son­de­re aus Sicht der Betrof­fe­nen die Rechts­ord­nung bei unbe­fug­tem Ein­stei­gen in einen Wohn­raum – vor allem auch psy­chisch – in ganz erheb­li­cher Wei­se beein­träch­tigt wird.

Damit sich nach einem Ein­bruch der Besit­zer wie­der in sei­ner Woh­nung sicher füh­len kann, müs­sen zuerst beschä­dig­te Türen schnell wie­der repa­riert und kaput­te Zylin­der aus­ge­tauscht wer­den. Sind die Haus- bzw. Woh­nungs­schlüs­sel eben­falls gestoh­len wor­den, emp­fiehlt sich der Aus­tausch der Schlös­ser. Dar­über hin­aus soll­ten Prä­ven­tiv­maß­nah­men zum Schutz vor einem Ein­bruch durch­ge­führt wer­den. Genau­so fühlt sich ein Anwoh­ner, in des­sen nähe­rer Umge­bung eini­ge Woh­nungs­ein­brü­che statt­ge­fun­den haben, durch effek­ti­ve Siche­rungs­maß­nah­men zum Ein­bruch­schutz wie­der um eini­ges woh­ler in den eige­nen vier Wän­den. Zu die­sen Maß­nah­men zählt auch ein neu­es, pro­blem­be­wuss­tes Ver­hal­ten, mit dem gekipp­te Fens­ter und ein­fach zuge­zo­ge­ne und nicht abge­schlos­se­ne Haus­tü­ren der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren. Ein drau­ßen ver­steck­ter Schlüs­sel geht eben­so­we­nig wie der Hin­weis im Inter­net oder auf dem AB, dass nie­mand sich im Haus auf­hält. Mecha­ni­sche und elek­tro­ni­sche Siche­run­gen an Fens­ter und Türen ver­voll­stän­di­gen die Prä­ven­tiv­maß­nah­men.

  1. BGH, Beschluss vom 24.04.2008 – 4 StR 126/​08[]
  2. OLG Cel­le, Beschluss vom 19.12.2013 – 1 Ws 561/​13[]