Ein­ge­hungs­be­trug beim Lea­sing – und die Berech­nung des Ver­mö­gens­scha­dens

Maß­geb­lich für die Berech­nung des Ver­mö­gens­scha­dens ist der Zeit­punkt der Ver­mö­gens­ver­fü­gung, also der Ver­gleich des Ver­mö­gens­werts unmit­tel­bar vor und unmit­tel­bar nach der Ver­fü­gung 1.

Ein­ge­hungs­be­trug beim Lea­sing – und die Berech­nung des Ver­mö­gens­scha­dens

Ein Ver­mö­gens­scha­den tritt ein, wenn die Ver­mö­gens­ver­fü­gung des Getäusch­ten bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se unmit­tel­bar zu einer nicht durch Zuwachs aus­ge­gli­che­nen Min­de­rung des Gesamt­werts sei­nes Ver­mö­gens führt (Prin­zip der Gesamt­sal­die­rung) 2. Wel­che Ver­mö­gens­po­si­tio­nen im Ein­zel­nen in die Gesamt­sal­die­rung ein­zu­stel­len sind, bestimmt sich letzt­lich danach, auf wel­ches unmit­tel­bar ver­mö­gens­min­dern­de Ver­hal­ten des im Irr­tum befind­li­chen Täu­schungs­op­fers (Ver­mö­gens­ver­fü­gung) abge­stellt wird. Spä­te­re Ent­wick­lun­gen, wie Scha­dens­ver­tie­fung oder Scha­dens­aus­gleich (wie­der­gut­ma­chung), berüh­ren den tat­be­stand­li­chen Scha­den nicht. Wie sich die Din­ge spä­ter ent­wi­ckeln, ist für die straf­recht­li­che Wer­tung ohne Belang 3. Dies hat nur noch für die Straf­zu­mes­sung Bedeu­tung 4.

Wur­de der Getäusch­te zum Abschluss eines Dar­le­hens- und Lea­sing­ver­tra­ges ver­lei­tet, sind bei der für die Scha­dens­be­stim­mung erfor­der­li­chen Gesamt­sal­die­rung der Geld­wert des erwor­be­nen Anspruchs gegen den Ver­trags­part­ner und der Geld­wert der ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tung mit­ein­an­der zu ver­glei­chen (Ein­ge­hungs­scha­den).

Bei Lea­sing­ge­schäf­ten gel­ten die zu betrü­ge­ri­schen Kre­dit­ge­schäf­ten ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze, wonach der Scha­den sich anhand des bilan­zi­el­len Wert­be­rich­ti­gungs­be­darfs bestimmt 5. Auf der ande­ren Sei­te hät­te bei der Bestim­mung des Ver­mö­gens­scha­dens in die fik­ti­ve Ver­mö­gens­bi­lanz ein­be­zo­gen wer­den müs­sen, dass die ent­spre­chend den Dar­le­hens­ver­trä­gen zur Sicher­heit zu über­eig­nen­den Gegen­stän­de tat­säch­lich nicht oder nicht mehr vor­han­den waren bzw. wegen feh­len­der Indi­vi­dua­li­sie­rung nicht dem Siche­rungs­zweck ent­spre­chend für eine spä­te­re Ver­wert­bar­keit zur Ver­fü­gung stan­den. Die­sen Aspekt des Aus­falls der Sicher­hei­ten, der ins­be­son­de­re im Hin­blick auf den dann noch vor­han­de­nen Rest­wert nach Ablauf der Lea­sing­zeit Bedeu­tung erlangt hät­te, hat das Land­ge­richt in der fik­ti­ven Ver­mö­gens­bi­lanz zum Zeit­punkt der Ver­mö­gens­ver­fü­gung völ­lig unbe­rück­sich­tigt gelas­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. April 2016 – 1 StR 456/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 18.02.2009 – 1 StR 731/​08, BGHSt 53, 199[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 02.02.2016 – 1 StR 435/​15; vom 08.10.2014 – 1 StR 359/​13 Rn. 31, BGHSt 60, 1; und vom 27.06.2012 – 2 StR 79/​12, BGHR StGB § 263 Abs. 1 Ver­mö­gens­scha­den 77; Beschlüs­se vom 16.06.2014 – 4 StR 21/​14 Rn. 24, NStZ 2014, 3170; vom 19.02.2014 – 5 StR 510/​13, wis­tra 2014, 270; vom 29.01.2013 – 2 StR 422/​12, NStZ 2013, 711; vom 25.01.2012 – 1 StR 45/​11 Rn. 75, BGHSt 57, 95, 113 f.; und vom 18.02.2009 – 1 StR 731/​08, BGHSt 53, 199, 201, jeweils mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 23.02.1982 – 5 StR 685/​81, BGHSt 30, 388, 389 f.[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 07.03.2006 – 1 StR 379/​05, BGHSt 51, 10, 17 Rn. 23[]
  5. BGH, Beschluss vom 13.04.2012 – 5 StR 442/​11, NJW 2012, 2370; vgl. dazu auch Raum in Wabnitz/​Janovsky, 4. Aufl., Hand­buch des Wirt­schafts- und Steu­er­straf­rechts, S. 282[]