Ein­ge­hungs­be­trug – und der Ver­mö­gens­scha­den

Ein Ver­mö­gens­scha­den im Sin­ne des § 263 Abs. 1 StGB tritt ein, wenn die Ver­mö­gens­ver­fü­gung des Getäusch­ten bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se unmit­tel­bar zu einer nicht durch Zuwachs aus­ge­gli­che­nen Min­de­rung des Gesamt­werts sei­nes Ver­mö­gens führt 1.

Ein­ge­hungs­be­trug – und der Ver­mö­gens­scha­den

Maß­geb­lich ist der Zeit­punkt der Ver­mö­gens­ver­fü­gung, also der Ver­gleich des Ver­mö­gens­werts unmit­tel­bar vor und nach der Ver­fü­gung 2.

Wur­de der Getäusch­te zum Abschluss eines Ver­tra­ges ver­lei­tet, sind bei der für die Scha­dens­be­stim­mung erfor­der­li­chen Gesamt­sal­die­rung der Geld­wert des erwor­be­nen Anspruchs gegen den Ver­trags­part­ner und der Geld­wert der ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tung mit­ein­an­der zu ver­glei­chen (Ein­ge­hungs­scha­den). Der Getäusch­te ist geschä­digt, wenn sich dabei ein Nega­tiv­sal­do zu sei­nem Nach­teil ergibt 3.

Die­ser zunächst durch die rein rech­ne­ri­sche Gegen­über­stel­lung der wirt­schaft­li­chen Wer­te der gegen­sei­ti­gen ver­trag­li­chen Ansprü­che bestimm­te Scha­den mate­ria­li­siert sich mit der Erbrin­gung der ver­spro­che­nen Leis­tung des Tat­op­fers (Erfül­lungs­scha­den) und bemisst sich nach deren vol­lem wirt­schaft­li­chen Wert, wenn die Gegen­leis­tung völ­lig aus­bleibt bzw. nach der Dif­fe­renz zwi­schen dem wirt­schaft­li­chen Wert der Leis­tung und dem­je­ni­gen der Gegen­leis­tung, soweit eine sol­che vom Täter erbracht wird 4.

Bei der gebo­te­nen wirt­schaft­li­chen Betrach­tung sind die erbrach­ten Leis­tun­gen mit­ein­an­der zu ver­glei­chen, wenn es zum Leis­tungs­aus­tausch gekom­men ist 5.

Inso­weit ist aner­kannt, dass ein Ver­mö­gens­scha­den auch dar­in lie­gen kann, dass der Gläu­bi­ger durch Täu­schung dazu ver­an­lasst wird, eine ihm zuste­hen­de For­de­rung nicht oder nicht als­bald gel­tend zu machen 6.

Nichts ande­res gilt aber für den Fall, dass durch eine ins Lee­re gehen­de Auf­rech­nung der Gläu­bi­ger von der als­bal­di­gen Bei­trei­bung absieht, weil er vom Bestehen der wegen Unmög­lich­keit erlo­sche­nen (§§ 326 Abs. 1, 275 Abs. 1 BGB) For­de­rung aus­geht. Erfor­der­lich ist jedoch, dass sein Anspruch recht­li­chen Bestand hat­te und die For­de­rung bei sofor­ti­ger Gel­tend­ma­chung rea­li­sier­bar gewe­sen wäre 7. Eine wirt­schaft­li­che Ein­bu­ße liegt daher nur dann vor, wenn die Ver­mö­gens­ver­fü­gung die zuvor noch gege­be­ne Rea­li­sier­bar­keit des Anspruchs ver­ei­telt, in ihren Aus­sich­ten ver­min­dert oder in höhe­rem Maße als das vor­her der Fall war, gefähr­det hat 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. April 2018 – 1 StR 13/​18

  1. Prin­zip der Gesamt­sal­die­rung; st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 09.03.2017 – 1 StR 350/​16, NStZ 2017, 413, 414 mwN[]
  2. vgl. nur BGH, Urteil vom 16.06.2016 – 1 StR 20/​16, NJW 2016, 3543, 3544 Rn. 33; Beschluss vom 09.03.2017 – 1 StR 350/​16, NStZ 2017, 413, 414 jeweils mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 08.10.2014 – 1 StR 359/​13, BGHSt 60, 1, 9 f. Rn. 31 mwN[]
  4. BGH, Urteil vom 08.10.2014 – 1 StR 359/​13, BGHSt 60, 1, 10 Rn. 31 mwN[]
  5. vgl. Dan­ne­cker in Graf/​Jäger/​Wittig, Wirt­schafts- und Steu­er­straf­recht, 2. Aufl., § 263 StGB Rn. 104 mwN; Fischer, StGB, 65. Aufl., § 263 Rn. 175 ff., 178[]
  6. Per­ron in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 263 Rn. 144; Lack­ner in Leip­zi­ger Kom­men­tar, StGB, 10. Aufl., § 263 Rn. 245; RG, Urtei­le vom 26.01.1931 – – III 730/​30, RGSt 65, 99, 100; und vom 14.05.1936 – 2 D 695/​35, RGSt 70, 225, 227; OLG Stutt­gart, Urteil vom 30.04.1969 – 1 Ss 166/​69, NJW 1969, 1975[]
  7. vgl. RG, Urteil vom 26.01.1931 – – III 730/​30, RGSt 65, 99, 100; Per­ron in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 263 Rn. 144; Lack­ner in Leip­zi­ger Kom­men­tar, StGB, 10. Aufl., § 263 Rn. 247; OLG Köln, Urteil vom 13.01.1967 – Ss 345/​66, NJW 1967, 836; OLG Hamm, Urteil vom 05.12 1957 – 2 Ss 1352/​57, GA 1958, 250[]
  8. Lack­ner in Leip­zi­ger Kom­men­tar, StGB, 10. Aufl., § 263 Rn. 247 mwN[]