Ein­zie­hung – und die Verjährung

§ 357 Satz 1 StPO ist beim Ver­fah­rens­hin­der­nis der Ver­jäh­rung anzu­wen­den1 und gilt in ent­spre­chen­der Anwen­dung für Ein­zie­hungs­be­tei­lig­te2.

Ein­zie­hung – und die Verjährung

Nach Ver­jäh­rung der Taten, an wel­che die Ein­zie­hungs­an­ord­nung anknüpft, wäre es zwar in einer Haupt­ver­hand­lung mög­lich, ins objek­ti­ve Ver­fah­ren über­zu­ge­hen3.

Eine selb­stän­di­ge Ein­zie­hungs­an­ord­nung nach § 76a Abs. 2 Satz 1 StGB nF schei­det indes jeden­falls dann aus, wenn ein gemäß § 435 Abs. 1 Satz 1 StPO erfor­der­li­cher Antrag der Staats­an­walt­schaft nicht gestellt wor­den ist4.

Mit­hin bedurf­te es im vor­lie­gen­den Fall kei­ner Ent­schei­dung durch den Bun­des­ge­richts­hof, ob die Anwen­dung des § 76a Abs. 2 Satz 1 StGB nF auf Fäl­le, in denen – wie hier – infol­ge ein­ge­tre­te­ner Straf­ver­fol­gungs­ver­jäh­rung Abschöp­fungs­maß­nah­men bis­lang, näm­lich bis zum Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Reform der straf­recht­li­chen Ver­mö­gens­ab­schöp­fung vom 13.04.20175, aus­ge­schlos­sen waren, gegen das all­ge­mei­ne rechts­staat­li­che Rück­wir­kungs­ver­bot ver­stößt6.

Nach der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH, Beschluss vom 1. Sep­tem­ber 2020 – 1 StR 58/​19) beginnt bei Taten gemäß § 266a Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 2 StGB die Ver­jäh­rungs­frist mit dem Ver­strei­chen­las­sen des Fäl­lig­keits­zeit­punk­tes für das Ent­rich­ten der Sozialversicherungsbeiträge.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Novem­ber 2020 – 1 StR 328/​19

  1. BGH, Beschlüs­se vom 25.10.2017 – 2 StR 252/​16 Rn. 52; vom 31.03.2011 – 4 StR 657/​10 Rn. 10; vom 29.11.1994 – 3 StR 221/​94 Rn. 1; und vom 16.09.1971 – 1 StR 284/​71 Rn. 11 ff., BGHSt 24, 208, 210 f.[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 12.02.2020 – 1 StR 518/​19 Rn. 8; vom 26.06.2019 – 1 StR 551/​18 Rn. 31; vom 06.03.2019 – 3 StR 286/​18 Rn. 15; vom 25.10.2017 – 2 StR 252/​16 Rn. 54; und vom 08.06.2017 – 1 StR 614/​16 Rn. 10[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 05.06.2018 – 5 StR 133/​18 Rn. 6[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 11.12.2019 – 5 StR 486/​19 Rn.19; und vom 22.01.2019 – 1 StR 489/​18 Rn. 7[]
  5. BGBl. I 2017 S. 872[]
  6. so BGH, Vor­la­ge­be­schluss vom 07.03.2019 – 3 StR 192/​18[]

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