Ein­zie­hung des Wer­tes von Tat­erträ­gen – bei meh­re­ren Tat­be­tei­lig­ten

Die Ein­zie­hung des Wer­tes von Tat­erträ­gen gemäß § 73c Satz 1 StGB knüpft an § 73 Abs. 1 StGB an und setzt vor­aus, dass der Täter durch eine rechts­wid­ri­ge Tat oder für sie etwas erlangt hat.

Ein­zie­hung des Wer­tes von Tat­erträ­gen – bei meh­re­ren Tat­be­tei­lig­ten

Ein Ver­mö­gens­wert ist aus der Tat erlangt, wenn er dem Täter oder Teil­neh­mer unmit­tel­bar aus der Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stan­des in irgend­ei­ner Pha­se des Tat­ab­laufs so zuge­flos­sen ist, dass er hier­über tat­säch­li­che Ver­fü­gungs­ge­walt aus­üben kann 1. Die Annah­me mit­tä­ter­schaft­li­chen Han­delns ver­mag die feh­len­de Dar­le­gung der Erlan­gung tat­säch­li­cher (Mit-)Verfügungsgewalt nicht zu erset­zen.

Einem Tat­be­tei­lig­ten kann die Gesamt­heit des aus der Tat Erlang­ten mit der Fol­ge einer gesamt­schuld­ne­ri­schen Haf­tung 2 nur dann zuge­rech­net wer­den, wenn sich die Betei­lig­ten einig sind, dass jedem die Mit­ver­fü­gungs­ge­walt hier­über zukom­men soll 3 und er die­se auch tat­säch­lich hat­te 4.

Dabei genügt es, dass der Tat­be­tei­lig­te zumin­dest fak­ti­sche bzw. wirt­schaft­li­che Mit­ver­fü­gungs­ge­walt über den Ver­mö­gens­ge­gen­stand erlang­te. Dies ist jeden­falls dann der Fall, wenn er im Sin­ne eines rein tat­säch­li­chen Herr­schafts­ver­hält­nis­ses unge­hin­der­ten Zugriff auf den betref­fen­den Ver­mö­gens­ge­gen­stand neh­men konn­te 5. Eine spä­te­re Auf­ga­be der Mit­ver­fü­gungs­ge­walt ist uner­heb­lich 6.

Nach § 73c Satz 1 StGB ist die Wert­er­satz­ein­zie­hung anzu­ord­nen, wenn auf­grund der Beschaf­fen­heit des Erlang­ten die Anord­nung der Ein­zie­hung eines bestimm­ten Gegen­stan­des undurch­führ­bar ist 7.

Der Gesetz­ge­ber hat in § 73c StGB den Rege­lungs­ge­halt des bis zum 30.06.2017 gel­ten­den § 73a StGB ("Ver­fall von Wert­er­satz") ohne inhalt­li­che Ände­rung über­nom­men 8. Die Wert- ersatz­ein­zie­hung erfolgt danach, wenn sich das Erlang­te im Ent­schei­dungs­zeit­punkt nicht mehr im Ver­mö­gen des Emp­fän­gers befin­det, weil er die erlang­te Sache ver­ar­bei­tet, ver­braucht, ver­lo­ren, zer­stört oder unauf­find­bar bei­sei­te geschafft hat 9. Nach § 73c Satz 2 StGB tritt die Wert­er­satz­ein­zie­hung neben die Ein­zie­hung des Erlang­ten nach § 73 Abs. 1 StGB, wenn der Wert des Gegen­stan­des im Ent­schei­dungs­zeit­punkt hin­ter dem Wert des zunächst Erlang­ten zurück­bleibt. Dies ist unter ande­rem dann der Fall, wenn der erlang­te Gegen­stand beschä­digt wor­den ist. In die­sem Fall ist die Wert­er­satz­ein­zie­hung in der Höhe der Dif­fe­renz zwi­schen dem Wert des zunächst unbe­schä­digt erlang­ten Gegen­stan­des und dem durch die Beschä­di­gung redu­zier­ten Zeit­wert im Ent­schei­dungs­zeit­punkt anzu­ord­nen 10.

Die Ein­zie­hung nach § 73 Abs. 1 StGB nF erstreckt sich, wie der frü­he­re Ver­fall, grund­sätz­lich nur auf das unmit­tel­ba­re erlang­te Etwas 11. Wenn­gleich der Gesetz­ge­ber durch die Erset­zung des Wor­tes "aus" durch das Wort "durch" den Anwen­dungs­be­reich der Vor­schrift erwei­tert 12 und das Brut­to­prin­zip gestärkt hat, soll sich die Abschöp­fung der Gesamt­heit der Ver­mö­gens­wer­te auf das- jeni­ge beschrän­ken, das dem Tat­be­tei­lig­ten oder Dritt­be­güns­tig­ten unmit­tel­bar aus der Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stands in irgend­ei­ner Pha­se des Tat­ab­laufs zuge­flos­sen ist 13. Mit­tel­bar – durch die Ver­wer­tung der unmit­tel­ba­ren Tat­beu­te – erlang­te Ver­mö­gens­zu­wäch­se kön­nen daher auch wei­ter­hin nur als Sur­ro­gat auf­grund einer Anord­nung nach § 73 Abs. 3 Nr. 1 StGB nF ein­ge­zo­gen wer­den 14. Die vom Gesetz­ge­ber getrof­fe­ne Unter­schei­dung zwi­schen der Ein­zie­hung des Erlang­ten nach § 73 Abs. 1 StGB nF und der Ein­zie­hung des Sur­ro­gats nach § 73 Abs. 3 Nr. 1 StGB nF stellt klar, dass sich die Ein­zie­hung nach § 73 Abs. 1 StGB nF nicht auf die Sur­ro­ga­te erstreckt 15.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. August 2018 – 2 StR 311/​18

  1. BGH, Urteil vom 24.05.2018 – 5 StR 623/​17, mwN[]
  2. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 18.07.2018 – 2 StR 245/​18 9 f.; Urteil vom 25.04.2018 – 2 StR 14/​18[]
  3. BGH, Beschluss vom 27.04.2010 – 3 StR 112/​10, NStZ 2010, 568[]
  4. BGH, Beschluss vom 08.12 2010 – 2 StR 372/​10, wis­tra 2011, 113[]
  5. BGH, Urteil vom 24.05.2018 – 5 StR 623/​17, aaO[]
  6. BGH, Urteil vom 02.07.2015 – 3 StR 157/​15, NStZ-RR 2015, 310, 311[]
  7. Beck­OK StGB/​Heuchemer, 39. Ed., § 73c Rn. 4[]
  8. BT-Drs. 18/​9525, S. 67[]
  9. vgl. BGH, Urteil vom 05.12 1996 – 5 StR 542/​96, NStZ-RR 1997, 270, 271; Münch­Komm-StG­B/Jo­ecks, 3. Aufl., § 73a Rn. 8; NK-StG­B/­Sa­li­ger, 5. Aufl., § 73a Rn. 4[]
  10. Beck­OK StGB/​Heuchemer, aaO, § 73c Rn. 8; Münch­Komm-StG­B/Jo­ecks, aaO, § 73a Rn. 13; Köh­ler, NStZ 2017, 497, 512 Fn. 28[]
  11. BT-Drs. 18/​9525, S. 61 f.[]
  12. BT-Drs. 18/​9525, S. 55[]
  13. BT-Drs. 18/​9525, S. 47[]
  14. BGH, Urteil vom 08.02.2018 – 3 StR 560/​17 10[]
  15. BT-Drs. 18/​9525, S. 62; BGH, Urteil vom 08.02.2018 – 3 StR 560/​17, aaO[]