Ent­schä­di­gung für DDR-Haft – nicht für Sta­si-Mit­ar­bei­ter

Ein ehe­ma­li­ger poli­ti­scher Gefan­ge­ner der DDR, wel­cher nach sei­ner Haft als inof­fi­zi­el­ler Mit­ar­bei­ter (IM) der Staats­si­cher­heit (Sta­si) frei­wil­lig unter ande­rem Berich­te über Aus­rei­se­wil­li­ge abge­ge­ben hat, kann kei­ne Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen bean­spru­chen.

Ent­schä­di­gung für DDR-Haft – nicht für Sta­si-Mit­ar­bei­ter

In einem jetzt vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz ent­schie­de­nen Fall wur­de der Klä­ger, ein ehe­ma­li­ger Bür­ger der DDR, im Mai 1988 wegen ver­such­ter lan­des­ver­rä­te­ri­scher Nach­rich­ten­über­mitt­lung, unge­setz­li­cher Ver­bin­dungs­auf­nah­me und Beein­träch­ti­gung der staat­li­chen Tätig­keit in einem schwe­ren Fall zu einer Frei­heits­stra­fe von zwei Jah­ren und zehn Mona­ten ver­ur­teilt. Er wur­de im Dezem­ber 1988 vor­zei­tig aus der Haft ent­las­sen. Nach sei­ner Ein­rei­se in das Bun­des­ge­biet wur­de der Klä­ger als ehe­ma­li­ger poli­ti­scher Häft­ling aner­kannt und erhielt Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen. Im Rah­men der Bear­bei­tung des zusätz­lich gestell­ten Antra­ges auf Zah­lung einer sog. Opfer­pen­si­on teil­te die Bun­des­be­auf­trag­te für die Unter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen DDR mit, dass der Klä­ger wäh­rend und nach sei­ner Haft als inof­fi­zi­el­ler Mit­ar­bei­ter der Sta­si tätig war. Dar­auf­hin ent­zog die Auf­sichts- und Dienst­lei­tungs­di­rek­ti­on dem Klä­ger die Aner­ken­nung als poli­ti­scher Häft­ling und for­der­te die Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen von 7.624,56 € zurück. Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge blieb jetzt auch vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Koblenz ohne Erfolg.

Der Aner­ken­nung des Klä­gers als ehe­ma­li­ger poli­ti­scher Häft­ling und der Gewäh­rung von Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen ste­he sei­ne inof­fi­zi­el­le Mit­ar­beit bei der Staats­si­cher­heit der DDR ent­ge­gen, ent­schied das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt. Zwar kön­ne zu Guns­ten des Klä­gers bei der Abga­be der bei­den Ver­pflich­tungs­er­klä­run­gen wäh­rend und nach der Haft eine Zwangs­la­ge unter­stellt wer­den, wel­che die Aner­ken­nung als poli­ti­scher Häft­ling und die Zah­lung von Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen nicht aus­schlie­ßen kön­ne. Jedoch habe der Klä­ger nach der Ent­las­sung aus der Haft der Sta­si, ohne beson­de­re Repres­sa­li­en fürch­ten zu müs­sen, bei­spiels­wei­se über eine Fami­lie berich­tet, die einen besuchs­wei­sen Auf­ent­halt in der Bun­des­re­pu­blik bei einem Onkel habe nut­zen wol­len, um von die­sem Besuch nicht mehr in die DDR zurück­zu­keh­ren. Da der­ar­ti­ge Berich­te geeig­net gewe­sen sei­en, für die Betrof­fe­nen eine erheb­li­che Gefahr zu schaf­fen, habe der Klä­ger bei sei­ner inso­weit frei­wil­li­gen Tätig­keit als IM Grund­sät­ze der Mensch­lich­keit und Rechts­staat­lich­keit ver­letzt. Des­halb habe er weder als poli­ti­scher Häft­ling aner­kannt noch Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen für sei­ne Haft bean­spru­chen kön­nen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 11. März 2011 – 7 A 11442/​10.OVG