Ent­wen­dung von Kraft­stoff durch den Fah­rer eines Trans­port­un­ter­neh­mens

Kraft­stoff wird von einer Tank­kar­ten­ge­sell­schaft, die ein eige­nes Tank­stel­len­netz betreibt, regel­mä­ßig unter Eigen­tums­vor­be­halt gelie­fert. Der Fah­rer eines Last­kraft­wa­gens, der im Eigen­tum eines Trans­port­un­ter­neh­mens steht, hat Allein­ge­wahr­sam am Inhalt des Kraft­stoff­tanks, sofern die Rou­te nicht zuvor fest­ge­legt ist und stän­dig über­wacht wird.

Ent­wen­dung von Kraft­stoff durch den Fah­rer eines Trans­port­un­ter­neh­mens

Der Fah­rer macht sich daher nicht eines Dieb­stahls, son­dern einer Unter­schla­gung (§ 246 StGB) schul­dig.

Der Fah­rer ver­letzt frem­des Eigen­tum, weil der Kraft­stoff bei dem Tank­vor­gang jeden­falls nicht ihm über­eig­net wur­de war. Ob der Kraft­stoff (schon wegen § 60 Abs. 1 Nr. 3 Ener­gieStG) unter Eigen­tums­vor­be­halt über­eig­net wur­de 1 oder ob er – eher fern­lie­gend – von der Tank­kar­ten­ge­sell­schaft unbe­dingt dem Trans­port­un­ter­neh­men über­eig­net wur­de, ist für die Straf­bar­keit ohne Bedeu­tung, weil ent­we­der die Tank­kar­ten­ge­sell­schaft (bei Annah­me eines Eigen­tums­vor­be­halts) oder das Trans­port­un­ter­neh­men geschä­digt wur­de.

Der Sach­ver­halt ist als Unter­schla­gung zu wür­di­gen, weil weder das Trans­port­un­ter­neh­men, wäre sie Eigen­tü­me­rin, noch gar das Tank­kar­ten­un­ter­neh­men (bei Annah­me eines Eigen­tums­vor­be­halts) Mit­ge­wahr­sam hat­te. Nach der Recht­spre­chung hat ein Fah­rer einer Trans­port­fir­ma regel­mä­ßig Allein­ge­wahr­sam an den trans­por­tier­ten Waren 2. Für die Annah­me von Mit­ge­wahr­sam wäre 3 eine genau fest­ge­leg­te Rou­te und die stän­di­ge Funk­über­wa­chung erfor­der­lich.

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 17. Juni 2013 – 1 Ss 34/​13

  1. vgl. dazu: FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 30.04.2008 – 4 K 1959/​06[]
  2. BGHSt 2, 317, 318; OLG Düs­sel­dorf MDR 1985, 427[]
  3. vgl.: BGH, Beschluss vom 17.08.1993 – 4 StR 393/​93[]