Ent­zie­hungs­an­stalt – und der über­mä­ßi­ge Genuss von Rausch­mit­teln

Für die Annah­me eines Hangs ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung aus­rei­chend eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­sche Dis­po­si­ti­on zurück­ge­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne Nei­gung, immer wie­der Rausch­mit­tel zu kon­su­mie­ren, wobei die­se Nei­gung noch nicht den Grad einer phy­si­schen Abhän­gig­keit erreicht haben muss.

Ent­zie­hungs­an­stalt – und der über­mä­ßi­ge Genuss von Rausch­mit­teln

Ein über­mä­ßi­ger Genuss von Rausch­mit­teln im Sin­ne des § 64 StGB ist jeden­falls dann gege­ben, wenn der Betref­fen­de auf Grund sei­ner Nei­gung sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint 1. Letz­te­res ist der Fall bei der Bege­hung von zur Befrie­di­gung des eige­nen Dro­gen­kon­sums die­nen­der Beschaf­fungs­ta­ten 2.

Inso­weit kann dem Umstand, dass durch den Rausch­mit­tel­kon­sum bereits die Gesund­heit, Arbeits- und Leis­tungs­fä­hig­keit des Betref­fen­den erheb­lich beein­träch­tigt ist, zwar indi­zi­el­le Bedeu­tung für das Vor­lie­gen eines Han­ges zukom­men. Wenn­gleich sol­che Beein­träch­ti­gun­gen in der Regel mit über­mä­ßi­gem Rausch­mit­tel­kon­sum ein­her­ge­hen wer­den, schließt deren Feh­len jedoch nicht not­wen­di­ger­wei­se die Annah­me eines Han­ges aus 3.

Ange­sichts des­sen, dass der Ange­klag­te die Taten jeden­falls auch began­gen hat, um sei­nen Eigen­kon­sum befrie­di­gen zu kön­nen, liegt der erfor­der­li­che sym­pto­ma­ti­sche Zu- sam­men­hang nahe 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Okto­ber 2017 – 1 StR 410/​17

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 12.01.2017 – 1 StR 587/​16; Urtei­le vom 14.10.2015 – 1 StR 415/​15; vom 10.11.2004 – 2 StR 329/​04, NStZ 2005, 210; und vom 15.05.2014 – 3 StR 386/​13[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 06.06.2017 – 2 StR 103/​17; vom 12.01.2017 – 1 StR 587/​16; und vom 02.04.2015 – 3 StR 103/​15[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 10.11.2015 – 1 StR 482/​15, NStZ-RR 2016, 113, 114; vom 02.04.2015 – 3 StR 103/​15; und vom 01.04.2008 – 4 StR 56/​08, NStZ-RR 2008, 198[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 12.01.2017 – 1 StR 587/​16; und vom 10.01.2017 – 1 StR 613/​16[]