Entziehungsanstalt – und die Frage des Hanges

Entziehungsanstalt - und die Frage des Hanges

Für die Annahme eines Hangs im Sinne des § 64 StGB genügt nach ständiger Rechtsprechung eine eingewurzelte, auf psychische Disposition zurückgehende oder durch Übung erworbene Neigung, immer wieder Rauschmittel zu konsumieren, wobei diese Neigung noch nicht den Grad einer physischen Abhängigkeit erreicht haben muss.

Ein übermäßiger Genuss von Rauschmitteln ist jedenfalls dann gegeben, wenn der Betreffende auf Grund seiner Neigung sozial gefährdet oder gefährlich erscheint1.

Ein Hang im Sinne des § 64 StGB kommt danach insbesondere bei Beschaffungskriminalität in Betracht2.

Erheblichen Beeinträchtigungen der Gesundheit sowie der Arbeitsund Leistungsfähigkeit kommt zwar eine indizielle Bedeutung für das Vorliegen eines Hangs zu, weil diese in der Regel mit übermäßigem Rauschmittelkonsum einhergehen; deren Fehlen schließt aber nicht notwendigerweise die Annahme eines Hangs aus3.

Auch stehen das Ausbleiben ausgeprägter Entzugssyndrome und Intervalle der Abstinenz dem Vorliegen eines Hangs nicht entgegen4.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 21. März 2019 – 1 StR 582/18

  1. vgl. BGH, Beschlüsse vom 27.11.2018 – 3 StR 299/18 8; vom 07.11.2018 – 1 StR 481/18 4; vom 12.01.2017 – 1 StR 587/16 9; und vom 02.04.2015 – 3 StR 103/15 5, jeweils mwN; Urteil vom 10.11.2004 – 2 StR 329/04, NStZ 2005, 210 []
  2. BGH, Beschlüsse vom 07.11.2018 – 1 StR 481/18 4; und vom 02.04.2015 – 3 StR 103/15 5; Urteil vom 10.11.2004 – 2 StR 329/04, NStZ 2005, 210, jeweils mwN []
  3. BGH, Beschlüsse vom 27.11.2018 – 3 StR 299/18 8; vom 07.11.2018 – 1 StR 481/18 Rn. 4; vom 10.11.2015 – 1 StR 482/15, NStZ-RR 2016, 113, 114; und vom 02.04.2015 – 3 StR 103/15 6, jeweils mwN []
  4. BGH, Beschlüsse vom 27.11.2018 – 3 StR 299/18 8; vom 07.11.2018 – 1 StR 481/18 4; vom 12.04.2012 – 5 StR 87/12, NStZ-RR 2012, 271; und vom 30.03.2010 – 3 StR 88/10, NStZ-RR 2010, 216 []