Erle­di­gung der Unter­brin­gung – und die gericht­li­che Zustän­dig­keit nach erfolg­ter Abschie­bung

Für die Beant­wor­tung der Fra­ge, wel­che Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer für die Ent­schei­dung über den Antrag, die Unter­brin­gung des Ver­ur­teil­ten in einer Ent­zie­hungs­an­stalt für erle­digt zu erklä­ren, ört­lich zustän­dig ist, ist von dem Grund­satz aus­zu­ge­hen, dass für anste­hen­de Ent­schei­dun­gen die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer zustän­dig ist, in deren Bezirk die Anstalt liegt, in der sich der Ver­ur­teil­te befin­det oder zuletzt befand [1].

Erle­di­gung der Unter­brin­gung – und die gericht­li­che Zustän­dig­keit nach erfolg­ter Abschie­bung

Die so begrün­de­te Zustän­dig­keit ent­fällt auch dann nicht, wenn – wie hier – nach § 456a StPO von der wei­te­ren Voll­stre­ckung abge­se­hen und der Ver­ur­teil­te abge­scho­ben wird [2].

§ 462a Absatz 1 Satz 1 StPO prä­zi­siert die­se Rege­lung dahin­ge­hend, dass inso­fern auf den Zeit­punkt abzu­stel­len ist, zu dem eine erst­ma­li­ge Befas­sung mit der kon­kre­ten Ange­le­gen­heit gege­ben war [3].

Eine mit der ers­ten Befas­sung in einer Sache begrün­de­te ört­li­che Zustän­dig­keit wird – soweit es die­se kon­kre­te Sache anbe­langt – durch spä­ter ein­ge­tre­te­ne Umstän­de, etwa eine neu­er­li­che Auf­nah­me eines Ver­ur­teil­ten in den Straf- oder Maß­re­gel­voll­zug, nicht berührt [4].

Nach die­sen Grund­sät­zen war im hier ent­schie­de­nen Fall von der ört­li­chen Zustän­dig­keit der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer des Land­ge­richts Sta­de aus­zu­ge­hen. Ihre Zustän­dig­keit wur­de mit der Auf­nah­me des Ver­ur­teil­ten in das in ihrem Zustän­dig­keits­be­reich lie­gen­de (dama­li­ge) Nie­der­säch­si­sche Lan­des­kran­ken­haus Brau­el am 10.07.2008 begrün­det und wirk­te nach sei­ner Ent­las­sung am 13.01.2010 bis zur Befas­sung mit dem Antrag der Staats­an­walt­schaft, die Unter­brin­gung für erle­digt zu erklä­ren, fort. Im Ein­zel­nen:

Die Zustän­dig­keit ist nicht auf die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer des Land­ge­richts Göt­tin­gen über­ge­gan­gen. Das Lan­des­kran­ken­haus Brau­el wur­de zwar durch Beschluss der nie­der­säch­si­schen Lan­des­re­gie­rung vom 09.11.2010 [5] mit wei­te­ren Kran­ken­häu­sern zu einem Maß­re­gel­voll­zugs­zen­trum mit Haupt­sitz in Morin­gen im Zustän­dig­keits­be­reich des Land­ge­richts Göt­tin­gen zusam­men­ge­legt, was die grund­sätz­li­che Zustän­dig­keit der dor­ti­gen Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer auch für die Ein­rich­tung in Brau­el zur Fol­ge haben dürf­te [6]. Die Zusam­men­le­gung erfolg­te jedoch erst mit Wir­kung zum 1.01.2011, wohin­ge­gen der Ver­ur­teil­te bereits am 13.01.2010 ent­las­sen und auch spä­ter nicht wie­der in den Maß­re­gel­voll­zug auf­ge­nom­men wor­den ist.

Für die ört­li­che Zustän­dig­keit der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer ist der tat­säch­li­che Auf­ent­halt des Ver­ur­teil­ten in einer Voll­zugs­an­stalt ent­schei­dend [7], so dass auch eine Ände­rung der Zustän­dig­keit nur im Fall der Ver­le­gung [8] oder der erneu­ten Auf­nah­me in eine ande­re Anstalt [9] ein­tre­ten kann. Daher konn­te allein die Umwand­lung des Kran­ken­hau­ses Brau­el von einer eigen­stän­di­gen Anstalt in eine Außen­stel­le hin­sicht­lich des in sein Hei­mat­land abge­scho­be­nen Ver­ur­teil­ten kei­nen Wech­sel der gericht­li­chen Zustän­dig­keit her­bei­füh­ren. Im Zeit­punkt der Ein­glie­de­rung des Lan­des­kran­ken­hau­ses Brau­el in das Maß­re­gel­voll­zugs­zen­trum mit Sitz in Morin­gen war er dort nicht "auf­ge­nom­men" im Sin­ne von § 462a Abs. 1 Satz 1 StPO. Auch aus der gesetz­ge­be­ri­schen Ziel­vor­stel­lung, Voll­stre­ckungs­ent­schei­dun­gen bei beson­ders sach­kun­di­gen und orts­na­hen Spruch­kör­pern zu kon­zen­trie­ren [10], ergibt sich jeden­falls in der vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on kein Bedürf­nis für eine Zustän­dig­keits­än­de­rung.

Die Auf­nah­me des Ver­ur­teil­ten in der JVA Trier in der Zeit vom 14. bis zum 21.07.2016 konn­te als rei­ne Orga­ni­sa­ti­ons­haft kei­ne Ände­rung der ört­li­chen Zustän­dig­keit bewir­ken [11]. Im Zeit­punkt der Auf­nah­me des Ver­ur­teil­ten in die im Zustän­dig­keits­be­reich des Land­ge­richts Hil­des­heim lie­gen­de Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Sehn­de am 21.07.2017 war die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer des Land­ge­richts Sta­de bereits mit dem dort am 18.07.2016 ein­ge­gan­ge­nen Antrag der Staats­an­walt­schaft befasst.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Febru­ar 2017 – 2 ARs 62/​17

  1. BGH, Beschluss vom 11.07.2012 – 2 AR 96/​12 [rich­tig: 2 ARs 164/​12], NStZ 2012, 358[]
  2. BGH, Beschluss vom 08.10.1999 – 2 ARs 408/​99, NStZ 2000, 111[]
  3. BGH, Beschluss vom 21.07.2006 – 2 ARs 302/​06, NStZ-RR 2007; KK-StPO/Appl 7. Aufl. § 462a Rn. 16[]
  4. BGH, Beschluss vom 14.08.1981 – 2 ARs 174/​81, BGHSt 30, 189; Appl a.a.O. Rn. 21[]
  5. Nds.Landesregierung, Beschluss vom 09.11.2010 – MS‑Z/101472/18.3, Nds. MBl.2010 Nr. 46, S. 1139[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 08.09.1978 – 2 ARs 289/​78, BGHSt 28, 135[]
  7. BGH, Beschluss vom 21.07.1989 – 2 ARs 381/​89, BGHSt 36, 229[]
  8. BGH, Beschluss vom 13.02.1976 – 2 ARs 395/​75, BGHSt 26, 278[]
  9. BGH, Beschluss vom 11.08.1999 – 2 ARs 161/​99[]
  10. Appl a.a.O. Rn. 2[]
  11. vgl. Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt StPO 59. Aufl. § 462a Rn. 5 m.w.N.[]