Ermitt­lungs­durch­su­chung bei nicht­ver­däch­ti­gen Per­so­nen

Nach den §§ 103, 105 Abs. 1 StGB ist die Durch­su­chung bei Tat­un­ver­däch­ti­gen gestat­tet, wenn Tat­sa­chen vor­lie­gen, aus denen zu schlie­ßen ist, dass die gesuch­te Per­son, Spur oder Sache sich in den zu durch­su­chen­den Räu­men befin­det.

Ermitt­lungs­durch­su­chung bei nicht­ver­däch­ti­gen Per­so­nen

Nach dem Stand der Ermitt­lun­gen müs­sen kon­kre­te Grün­de auf­grund bewie­se­ner Tat­sa­chen 1 die Erwar­tung recht­fer­ti­gen, dass sich Spu­ren der Straf­tat in den Räu­men des (zu die­sem Zeit­punkt nicht tat- oder teil­nah­me­ver­däch­ti­gen) Betrof­fe­nen (hier: in elek­tro­ni­schen Datei­en, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln oder schrift­li­chen Unter­la­gen bezie­hungs­wei­se in sei­nem E‑Mail-Post­fach) befin­den.

Eine Ermitt­lungs­durch­su­chung, die eine nicht­ver­däch­ti­ge Per­son betrifft, setzt über­dies – anders als im Fal­le des § 102 StPO für die Durch­su­chung beim Tat­ver­däch­ti­gen, bei dem eine all­ge­mei­ne Aus­sicht genügt, irgend­wel­che rele­van­ten Beweis­mit­tel zu fin­den – vor­aus, dass hin­rei­chend indi­vi­dua­li­sier­te (bestimm­te) Beweis­mit­tel für die den Gegen­stand des Ver­fah­rens bil­den­de Straf­tat gesucht wer­den. Die­se Gegen­stän­de müs­sen im Durch­su­chungs­be­schluss so weit kon­kre­ti­siert wer­den, dass weder bei dem Betrof­fe­nen noch bei dem die Durch­su­chung voll­zie­hen­den Beam­ten Zwei­fel über die zu suchen­den und zu beschlag­nah­men­den Gegen­stän­de ent­ste­hen kön­nen 2. Aus­rei­chend ist dafür aller­dings, dass die Beweis­mit­tel der Gat­tung nach näher bestimmt sind; nicht erfor­der­lich ist, dass sie in allen Ein­zel­hei­ten bezeich­net wer­den 3.

Die Durch­su­chungs­an­ord­nun­gen müs­sen des­wei­te­ren zum Grad des Tat­ver­dachts und zur Bedeu­tung und Schwe­re der auf­zu­klä­ren­den Straf­tat ersicht­lich in einem ange­mes­se­nen Ver­hält­nis ste­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Juni 2018 – StB 14/​18

  1. vgl. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 11.01.2016 – 2 BvR 1361/​13, NJW 2016, 1645[]
  2. BGH, Beschluss vom 21.11.2001 – StB 20/​01, NStZ 2002, 215[]
  3. BGH, Beschluss vom 15.10.1999 – StB 9/​99, NStZ 2000, 154, 155 mwN; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 61. Aufl., § 103 Rn. 6[]