Erpres­se­ri­scher Men­schen­raub

Des erpres­se­ri­schen Men­schen­rau­bes macht sich schul­dig, wer einen Men­schen ent­führt oder sich eines Men­schen bemäch­tigt, um die Sor­ge des Opfers um sein Wohl oder die Sor­ge eines Drit­ten um das Wohl des Opfers zu einer Erpres­sung gemäß § 253 StGB aus­zu­nut­zen, oder wer die durch eine sol­che Hand­lung geschaf­fe­ne Lage eines Men­schen zu einer sol­chen Erpres­sung aus­nutzt.

Erpres­se­ri­scher Men­schen­raub

Im Hin­blick auf den Anwen­dungs­be­reich klas­si­scher Delik­te mit Nöti­gungs­ele­men­ten wie § 177, §§ 249 ff., §§ 253 ff. StGB ist der Tat­be­stand des § 239a Abs. 1 StGB im Zwei-Per­so­nen-Ver­hält­nis aller­dings, ins­be­son­de­re für Fäl­le des Sich­be­mäch­ti­gens, ein­schrän­kend aus­zu­le­gen. Der Täter muss durch eine Ent­füh­rung oder in sons­ti­ger Wei­se die phy­si­sche Herr­schafts­ge­walt über das Opfer gewin­nen, dadurch eine sta­bi­le Bemäch­ti­gungs­la­ge schaf­fen und ent­we­der von vorn­her­ein beab­sich­ti­gen, die­se Lage zu einer Erpres­sung aus­zu­nut­zen, oder die zu ande­ren Zwe­cken her­ge­stell­te Ver­fü­gungs­ge­walt über das Opfer zu einer Erpres­sung aus­nut­zen.

Dabei muss der sta­bi­li­sier­ten Bemäch­ti­gungs­la­ge mit Blick auf die erstreb­te Erpres­sung eine eigen­stän­di­ge Bedeu­tung zukom­men.

Damit ist – ins­be­son­de­re in Abgren­zung zu den Raub­de­lik­ten – indes ledig­lich gemeint, dass sich über die in jeder mit Gewalt oder Dro­hun­gen ver­bun­de­nen Nöti­gungs­hand­lung lie­gen­de Beherr­schungs­si­tua­ti­on hin­aus eine wei­ter gehen­de Druck­si­tua­ti­on auf das Opfer gera­de auch aus der sta­bi­len Bemäch­ti­gungs­la­ge erge­ben muss.

Der erfor­der­li­che funk­tio­na­le Zusam­men­hang liegt ins­be­son­de­re dann nicht vor, wenn sich der Täter des Opfers durch Nöti­gungs­mit­tel bemäch­tigt, die zugleich unmit­tel­bar der beab­sich­tig­ten Erpres­sung die­nen, wenn also Bemäch­ti­gungs- und Nöti­gungs­mit­tel zusam­men­fal­len 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Sep­tem­ber 2015 – 4 StR 184/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 31.08.2006 – 3 StR 246/​06, NStZ 2007, 32 mwN; Urteil vom 02.02.2012 – 3 StR 385/​11, NStZ-RR 2012, 173, 174[]