Erpres­sung – und der Ver­mö­gens­nach­teil

Zwar ist der Nach­teil für das Ver­mö­gen i.S. des § 253 StGB gleich­be­deu­tend mit der Ver­mö­gens­be­schä­di­gung beim Betrug, so dass auch schon eine blo­ße Ver­mö­gens­ge­fähr­dung einen Ver­mö­gens­nach­teil dar­stellt. Dabei kommt es aber ent­schei­dend dar­auf an, ob im Ein­zel­fall durch die Ver­fü­gung das Ver­mö­gen kon­kret gefähr­det, also mit wirt­schaft­li­chen Nach­tei­len ernst­lich zu rech­nen ist [1].

Erpres­sung – und der Ver­mö­gens­nach­teil

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall erlang­te der Ange­klag­te von dem Zeu­gen R., am Auto­ma­ten Geld abzu­he­ben. Hier­zu droh­te ihm der Ange­klag­te mit einer Schreck­schuss­pis­to­le. Das Abhe­ben von Geld gelang dem Zeu­gen jedoch man­gels aus­rei­chen­der Deckung des Kon­tos nicht. Dar­auf­hin zwang der Ange­klag­te ihn unter Dro­hung mit der Waf­fe, die ECK­ar­te aus­zu­hän­di­gen und die PIN zu nen­nen. Der Bun­des­ge­richts­hof sah hier­in kei­ne voll­ende­te Erpres­sung:

Durch die Kennt­nis der gehei­men Zugangs­da­ten zu einem Bank­kon­to ist das Ver­mö­gen des Opfers grund­sätz­lich beein­träch­tigt, wenn sich der Täter zudem im Besitz der zuge­hö­ri­gen Bank­kar­te befin­det und ihm des­halb die jeder­zei­ti­ge Zugriffs­mög­lich­keit auf den Aus­zah­lungs­an­spruch des Berech­tig­ten gegen­über der die Kar­te akzep­tie­ren­den Bank eröff­net ist [2]. Vor­aus­set­zung für die Zufü­gung eines Ver­mö­gens­nach­teils ist jedoch, dass durch die zusätz­lich erlang­te Kennt­nis von der Geheim­zahl mit wirt­schaft­li­chen Nach­tei­len für das Ver­mö­gen des Genö­tig­ten bzw. des betrof­fe­nen Bank­in­sti­tuts ernst­lich zu rech­nen ist [3].

Im vor­lie­gen­den Fall war indes­sen nicht damit zu rech­nen, dass der Ange­klag­te auf das Ver­mö­gen des Zeu­gen wür­de zugrei­fen kön­nen. Denn das Kon­to war an die­sem Tag nicht gedeckt, so dass bereits die ers­te Aus­zah­lung am Geld­au­to­ma­ten geschei­tert war.

Der Bun­des­ge­richts­hof änder­te daher den Schuld­spruch auf die statt­des­sen vor­lie­gen­de ver­such­te beson­ders schwe­re räu­be­ri­sche Erpres­sung (ent­spre­chend § 354 Abs. 1 StPO) [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Mai 2020 – 6 StR 85/​20

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 05.02.1998 – 4 StR 622/​97, NStZ-RR 1998, 233[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 17.08.2004 – 5 StR 197/​04, BGHR StGB § 253 Abs. 1 Ver­mö­gens­scha­den 12[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 30.09.2010 – 3 StR 294/​10, NStZ 2011, 212, 213; vom 17.08.2004, aaO; Beschluss vom 18.01.2000 – 4 StR 599/​99, NStZ-RR 2000, 234, 235[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 02.10.1963 – 3 StR 34/​63, NJW 1964, 210, 212; KKStPO/​Gericke, 8. Aufl., § 354 Rn. 15[]