Euro­päi­scher Haft­be­fehl – Spe­zia­li­täts­grund­satz und die Gesamt­stra­fen­bil­dung

Ist der Ange­klag­te nur zur Ver­fol­gung der im Euro­päi­schen Haft­be­fehl bezeich­ne­ten Straf­ta­ten von der Repu­blik Polen aus­ge­lie­fert wor­den und hat der Ange­klag­te auch nicht auf die Beach­tung des Spe­zia­li­täts­grund­sat­zes ver­zich­tet, ver­stößt die Ein­be­zie­hung der Frei­heits­stra­fe aus einem frü­he­ren Urteil in die Gesamt­frei­heits­stra­fe gegen den Grund­satz der Spe­zia­li­tät (Art. 83h Abs. 1 IRG).

Euro­päi­scher Haft­be­fehl – Spe­zia­li­täts­grund­satz und die Gesamt­stra­fen­bil­dung

Die Nicht­be­ach­tung des aus­lie­fe­rungs­recht­li­chen Spe­zia­li­täts­grund­sat­zes bewirkt, solan­ge eine Aus­lie­fe­rungs­be­wil­li­gung zur Voll­stre­ckung der Stra­fe aus dem frü­he­ren Urteil nicht vor­liegt, ein Voll­stre­ckungs­hin­der­nis. Eine wegen die­ses Hin­der­nis­ses nicht voll­streck­ba­re Stra­fe darf nicht in eine Gesamt­stra­fe ein­be­zo­gen wer­den 1.

Dies gilt unge­ach­tet des Umstan­des, dass die Voll­stre­ckung der Stra­fe aus dem Urteil des Amts­ge­richts Nord­horn zur Bewäh­rung aus­ge­setzt wor­den ist; ein Anwen­dungs­fall der Aus­nah­me­re­ge­lung des § 83h Abs. 2 Nr. 3 IRG liegt inso­weit nicht vor 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. März 2015 – 3 StR 40/​15

  1. BGH, Beschlüs­se vom 04.02.2013 – 3 StR 395/​12, NStZ-RR 2013, 178; vom 25.06.2014 – 1 StR 218/​14, NStZ 2014, 590 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 27.07.2011 – 4 StR 303/​11, NStZ 2012, 100; vom 25.06.2014 – 1 StR 218/​14, NStZ 2014, 590[]