Exhi­bi­tio­nis­ti­sche Hand­lun­gen

Eine exhi­bi­tio­nis­ti­sche Hand­lung ist dadurch gekenn­zeich­net, dass der Täter einem ande­ren ohne des­sen Ein­ver­ständ­nis sein ent­blöß­tes Glied vor­weist, um sich dadurch oder zusätz­lich durch Beob­ach­ten der Reak­ti­on der ande­ren Per­son oder durch Mas­tur­bie­ren sexu­ell zu erre­gen, sei­ne Erre­gung zu stei­gern oder zu befrie­di­gen 1.

Exhi­bi­tio­nis­ti­sche Hand­lun­gen

Die Tat­hand­lung liegt in dem Vor­zei­gen des ent­blöß­ten Glie­des mit dem Ziel des hier­durch bewirk­ten sexu­el­len Lust­ge­winns.

Dass der Täter sein Geschlechts­teil bereits zu die­sem Zweck ent­blößt hat, setzt die Vor­schrift hin­ge­gen nicht vor­aus 2. Weder aus dem Geset­zes­wort­laut noch aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en kann eine sol­che Ein­schrän­kung her­ge­lei­tet wer­den.

Viel­mehr kann auch ein Täter, der sein Glied zuvor etwa zum Zwe­cke des Uri­nie­rens frei gemacht hat oder der aus sons­ti­gen Grün­den nackt her­um­läuft, die Tat­hand­lung bege­hen, wenn er sich in bereits ent­blöß­tem Zustand ent­schließt, einem ande­ren ohne des­sen Ein­ver­ständ­nis sein Glied zum Zwe­cke des sexu­el­len Lust­ge­winns zu prä­sen­tie­ren.

Maß­geb­lich für den Tatent­schluss ist allein der zum Zeit­punkt des Vor­zei­gens des ent­blöß­ten Glie­des vom Täter ver­folg­te Zweck, sich gera­de hier­durch oder zusätz­lich durch die Reak­ti­on des Gegen­übers oder durch Mas­tur­bie­ren zu befrie­di­gen. Ob dies der allei­ni­ge Zweck des Vor­zei­gens des Glie­des sein muss oder ob der Tat­be­stand auch erfüllt ist, wenn bei dem Täter ein Motiv­bün­del vor­liegt 3, konn­te im vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall dahin­ge­stellt blei­ben.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Janu­ar 2015 – 4 StR 424/​14

  1. BT-Drs. VI/​3521 S. 53; BGH, Urteil vom 05.09.1995 – 1 StR 396/​95, BGHR StGB § 183 Abs. 1 Exhi­bi­tio­nis­ti­sche Hand­lung 1[]
  2. aA BayO­bLG NJW 1999, 72, 73[]
  3. so BGH, Urteil vom 30.03.1983 – 2 StR 32/​83[]