Fahr­läs­si­ge Trun­ken­heit im Ver­kehr – und die Blut­un­ter­su­chung

Der Nach­weis einer rausch­mit­tel­be­ding­ten Fah­r­un­si­cher­heit kann nicht allein durch einen bestimm­ten Blut­wirk­stoff­be­fund geführt wer­den1.

Fahr­läs­si­ge Trun­ken­heit im Ver­kehr – und die Blut­un­ter­su­chung

Gesi­cher­te Erfah­rungs­wer­te, die es erlau­ben wür­den, bei Blut­wirk­stoff­kon­zen­tra­tio­nen ober­halb eines bestimm­ten Grenz­wer­tes ohne wei­te­res auf eine rausch­mit­tel­be­ding­te Fah­r­un­si­cher­heit zu schlie­ßen, bestehen nach wie vor nicht2.

Es bedarf daher neben dem posi­ti­ven Blut­wirk­stoff­be­fund noch wei­te­rer aus­sa­ge­kräf­ti­ger Beweis­an­zei­chen, die im kon­kre­ten Ein­zel­fall bele­gen, dass die Gesamt­leis­tungs­fä­hig­keit des betref­fen­den Kraft­fahr­zeug­füh­rers soweit her­ab­ge­setzt war, dass er nicht mehr fähig gewe­sen ist, sein Fahr­zeug im Stra­ßen­ver­kehr eine län­ge­re Stre­cke, auch bei Ein­tritt schwie­ri­ger Ver­kehrs­la­gen, sicher zu steu­ern3.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te in der Vor­in­stanz das Land­ge­richt zwar kei­ne kon­kre­ten Fest­stel­lun­gen zu einem Fahr­feh­ler getrof­fen. Über die – nicht uner­heb­li­chen – Blut­wirk­stoff­kon­zen­tra­tio­nen hin­aus ent­nimmt der Bun­des­ge­richts­hof den Urteils­grün­den aber wei­te­re gewich­ti­ge Anzei­chen für die Fahr­un­tüch­tig­keit der Ange­klag­ten. Danach litt die Ange­klag­te bei der poli­zei­li­chen Kon­trol­le ins­be­son­de­re unter Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­gen, ver­lang­sam­ter Koor­di­na­ti­on und ver­wa­sche­ner Spra­che; sie befand sich in einem schläf­ri­gen Zustand. In Zusam­men­schau mit dem bei der anschlie­ßen­den ärzt­li­chen Unter­su­chung fest­ge­stell­ten auf­fäl­lig stark gestör­ten Zeit­emp­fin­den ist die rausch­mit­tel­be­ding­te Fahr­un­tüch­tig­keit daher noch hin­rei­chend dar­ge­legt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Juni 2015 – 4 StR 111/​15

  1. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 03.11.1998 – 4 StR 395/​98, BGHSt 44, 219, 222; und vom 21.12 2011 – 4 StR 477/​11, NStZ 2012, 324 []
  2. BGH, Beschlüs­se vom 03.11.1998; und vom 21.12 2011, jeweils aaO; vgl. auch SSW-StG­B/Er­n­e­mann, 2. Aufl., § 316 Rn. 30 []
  3. BGH, Urteil vom 15.04.2008 – 4 StR 639/​07, NZV 2008, 528, 529 []