Fal­sche Kfz-Kenn­zei­chen – und die straf­recht­li­chen Kon­kur­ren­zen

Ver­folg­te der Täter schon bei dem Dieb­stahl der Kenn­zei­chen den Plan, die­se an sei­nem Fahr­zeug anzu­brin­gen, was er sodann auch umsetz­te, kann die­se Ver­bin­dung durch das gemein­sa­me sub­jek­ti­ve Ele­ment zur Annah­me einer natür­li­chen Hand­lungs­ein­heit füh­ren 1.

Fal­sche Kfz-Kenn­zei­chen – und die straf­recht­li­chen Kon­kur­ren­zen

Dafür muss dem gemein­sa­men sub­jek­ti­ven Ele­ment zwi­schen bei­den Betä­ti­gungs­ak­ten ein der­art unmit­tel­ba­rer räum­li­cher und zeit­li­cher Zusam­men­hang bestehen, dass das gesam­te Han­deln des Täters objek­tiv auch für einen Drit­ten als ein ein­heit­li­ches zusam­men­ge­hö­ri­ges Tun erscheint 2.

Durch das Zusam­men­fal­len der tat­be­stand­li­chen Aus­füh­rungs­hand­lun­gen kann Tat­ein­heit zwi­schen dem Gebrau­chen einer unech­ten Urkun­de und dem vor­sätz­li­chen Fah­ren ohne Fahr­erlaub­nis nach § 21 Abs. 1 Nr. 1 StVG sowie dem vor­sätz­li­chen Ver­stoß gegen das Pflicht­ver­si­che­rungs­ge­setz nach § 6 Abs. 1 PflVG bestehen 3.

Wenn aller­dings der Täter schon beim Anbrin­gen der Kenn­zei­chen den Vor­satz hat, das Fahr­zeug im öffent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr zu nut­zen, stellt der – gege­be­nen­falls mehr­fa­che – Gebrauch der unech­ten zusam­men­ge­setz­ten Urkun­de sowie ihre Her­stel­lung eine tat­be­stand­li­che Hand­lungs­ein­heit und damit nur eine Urkun­den­fäl­schung dar 4.

Das jeweils tat­ein­heit­li­che Zusam­men­tref­fen wei­te­rer, auf der Fahrt began­ge­ner Delik­te mit der ein­heit­li­chen Urkun­den­fäl­schung hat zur Fol­ge, dass sämt­li­che Geset­zes­ver­stö­ße zu einer Tat im mate­ri­ell­recht­li­chen Sin­ne ver­klam­mert wer­den 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. August 2017 – – 1 StR 173/​17

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 28.01.2014 – 4 StR 528/​13, NJW 2014, 871; und vom 15.02.2017 – 4 StR 629/​16, Stra­Fo 2017, 124[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 11.07.2017 – 5 StR 202/​17[]
  3. BGH, Beschluss vom 02.02.1987 – 3 StR 486/​86, BGHR StGB § 267 Abs. 1 Kon­kur­ren­zen 1[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 07.05.2014 – 4 StR 95/​14, wis­tra 2014, 349; vom 21.05.2015 – 4 StR 164/​15, DAR 2015, 702; vom 26.10.2016 – 4 StR 354/​16, NStZ-RR 2017, 26, 27; und vom 15.02.2017 – 4 StR 629/​16, Stra­Fo 2017, 124[]
  5. BGH, Beschlüs­se vom 07.05.2014 – 4 StR 95/​14; vom 21.05.2015 – 4 StR 164/​15, jeweils aaO; und vom 28.01.2014 – 4 StR 528/​13, NJW 2014, 871[]