For­ma­le Anfor­de­run­gen an ein frei­spre­chen­des Straf­ur­teil

Spricht der Tatrich­ter den Ange­klag­ten aus tat­säch­li­chen Grün­den frei, so muss er in den Urteils­grün­den zunächst den Ankla­ge­vor­wurf, hier­an anschlie­ßend die inso­weit getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen, dann die wesent­li­chen Beweis­grün­de und schließ­lich sei­ne recht­li­chen Erwä­gun­gen mit­tei­len.

For­ma­le Anfor­de­run­gen an ein frei­spre­chen­des Straf­ur­teil

Der Tatrich­ter muss also zunächst die­je­ni­gen Tat­sa­chen bezeich­nen, die er für erwie­sen hält, bevor er in der Beweis­wür­di­gung dar­legt, aus wel­chen Grün­den er die zur Ver­ur­tei­lung not­wen­di­gen Fest­stel­lun­gen nicht tref­fen konn­te [1].

Nur hier­durch wird das Revi­si­ons­ge­richt in die Lage ver­setzt, nach­prü­fen zu kön­nen, ob der Frei­spruch auf recht­lich beden­ken­frei­en Erwä­gun­gen beruht [2].

Sol­che Fest­stel­lun­gen, die grund­sätz­lich als eine geschlos­se­ne Dar­stel­lung zu tref­fen sein wer­den, sind aus­nahms­wei­se nur dann ent­behr­lich, wenn sich nach den Urteils­grün­den kei­ner­lei Erkennt­nis­se erge­ben ätten [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Febru­ar 2014 – 1 StR 485/​13

  1. BGH, Urteil vom 21.10.2003 – 1 StR 544/​02, BGHR StPO § 267 Abs. 5 Frei­spruch 13 mwN; Urteil vom 17.03.2009 – 1 StR 479/​08, NStZ 2009, 512, 513; Urteil vom 03.03.2010 – 2 StR 427/​09, NStZ-RR 2010, 182[]
  2. BGH, Urtei­le vom 05.02.2013 – 1 StR 405/​12, NJW 2013, 1106; vom 27.10.2011 – 5 StR 236/​11; vom 17.05.1990 – 4 StR 208/​90, BGHR StPO § 267 Abs. 5 Frei­spruch 4; vom 26.09.1989 – 1 StR 299/​89, BGHR StPO § 267 Abs. 5 Frei­spruch 2[]
  3. vgl. hier­zu BGH, Urtei­le vom 27.10.2011 – 5 StR 236/​11; vom 28.10.2010 – 3 StR 317/​10, NStZ-RR 2011, 88 f.; vom 17.12 2008 – 1 StR 552/​08, NStZ-RR 2009, 116 f.; vom 29.10.2003 – 5 StR 358/​03[]