Frei­heits­be­rau­bung – Täter­schaft oder Teil­nah­me

Die Vor­schrift des § 239 Abs. 1 StGB bestraft als Grund­tat­be­stand der Frei­heits­be­rau­bung den Ein­griff in die per­sön­li­che Bewe­gungs­frei­heit, durch den das Opfer des Gebrauchs der per­sön­li­chen Frei­heit beraubt wird 1.

Frei­heits­be­rau­bung – Täter­schaft oder Teil­nah­me

Tat­be­stands­mä­ßig im Sin­ne des § 239 Abs. 1 StGB ist ein Ver­hal­ten, durch das ein Mensch dar­an gehin­dert wird, sei­nen gegen­wär­ti­gen Auf­ent­halts­ort zu ver­las­sen 2.

Der Tat­be- stand nennt zwei Bege­hungs­wei­sen: das Ein­sper­ren oder die Frei­heits­be­rau­bung auf ande­re Wei­se. Ein­sper­ren hebt der Geset­zes­text bei­spiel­haft als häu­figs­te Bege­hungs­form her­vor; es ist gege­ben, wenn die Fort­be­we­gungs­mög- lich­keit des Betrof­fe­nen dadurch auf­ge­ho­ben wird, dass er in einen umschlos­se­nen Raum ver­bracht wird, der über äuße­re, nicht not­wen­dig unüber­wind­ba­re Vor­rich­tun­gen ver­fügt, wel­che ein Ver­las­sen des Rau­mes ver­hin­dern 3. Es han­delt sich um ein Dau­er­de­likt. Die Tat ist mit Ein­tritt des Frei­heits­ent­zugs voll­endet und erst been­det, wenn das Opfer sei­ne Fort­be­we­gungs­frei­heit zurück­er­langt 4. Tat­be­stands­mä­ßig ist des­halb auch ein Ver­hal­ten, durch das die Frei­heits­ent­zie­hung auf­recht­erhal­ten wird.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall war das Opfer von den Ent­füh­rern in einem Zim­mer ein­ge­sperrt wor­den. Die dadurch begrün­de­te Frei­heits­ent­zie­hung hielt der Ange­klag­te auf­recht, indem er sich an der Bewa­chung des Opfers betei­lig­te und die­sen nach einer Aus­füh­rung zum Sani­tär­be­reich immer wie­der in dem Zim­mer ein­schloss.

Dadurch ver­wirk­lich­te er auch den Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stand der schwe­ren Frei­heits­be­rau­bung (§ 239 Abs. 3 Nr. 1 StGB). Die län­ger als eine Woche andau­ern­de Frei­heits­ent­zie­hung wird ihm gemäß § 25 Abs. 2 StGB zuge­rech­net, weil er an dem Dau­er­de­likt als unmit­tel­ba­rer Täter sowie als sol­cher zugleich gemein­sam mit den Ent­füh­rern als Mit­tä­ter (§ 25 Abs. 2 StGB) betei­ligt war und wuss­te, dass das Opfer län­ger als eine Woche sei­ner Frei­heit beraubt wur­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. August 2018 – 3 StR 149/​18

  1. BGH, Urteil vom 22.01.2015 – 3 StR 410/​14, NStZ 2015, 338, 339[]
  2. BGH, Urtei­le vom 06.12 1983 – 1 StR 651/​83, BGHSt 32, 183, 188 f.; vom 22.01.2015 – 3 StR 410/​14, NStZ 2015, 338, 339[]
  3. vgl. Münch­Komm-StG­B/Wieck-Noodt, 3. Aufl., § 239 Rn. 21[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 11.06.1965 – 2 StR 187/​65, BGHSt 20, 227, 228; LK/​Schluckebier, StGB, 12. Aufl., § 239 Rn.20; Lackner/​Kühl, aaO § 239 Rn. 8[]