Frei­heits­stra­fe, Geld­stra­fe – und die Gesamt­stra­fen­bil­dung

Ob beim Zusam­men­tref­fen einer Frei­heits­stra­fe mit Ein­zel­geld­stra­fen eine Gesamt­frei­heits­stra­fe gebil­det wird oder eine Geld­stra­fe oder Gesamt­geld­stra­fe selb­stän­dig neben der Frei­heits­stra­fe aus­ge­spro­chen wird, liegt im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen des Gerichts [1].

Frei­heits­stra­fe, Geld­stra­fe – und die Gesamt­stra­fen­bil­dung

Dabei hat es unter Berück­sich­ti­gung der all­ge­mei­nen Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen zu prü­fen, ob eher eine län­ge­re Gesamt­frei­heits­stra­fe oder eine kür­ze­re Frei­heits­stra­fe neben einer Geld­stra­fe den Straf­zwe­cken ent­spricht [2].

Aus Wort­laut und Sys­te­ma­tik des § 53 Abs. 2 StGB ergibt sich, dass die selb­stän­di­ge Ver­hän­gung einer Geld­stra­fe neben einer Frei­heits­stra­fe die Aus­nah­me bil­det [3]; sie bedarf daher – anders als der Regel­fall der Gesamt­stra­fen­bil­dung [4] – regel­mä­ßig beson­de­rer Begrün­dung [5].

Die­sen Begrün­dungs­an­for­de­run­gen wur­de im hier ent­schie­de­nen Fall das land­ge­rich­te Urteil nicht gerecht: Es stellt for­mel­haft allein dar­auf ab, den Ange­klag­ten auch am Ver­mö­gen stra­fen zu wol­len. Vor dem Hin­ter­grund der dar­ge­stell­ten wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se – der Ange­klag­te ist auf 450 €-Basis bei sei­ner Ehe­frau ange­stellt – erschließt sich die­se Erwä­gung für sich genom­men nicht. Sie lässt viel­mehr besor­gen, dass das Land­ge­richt sich nicht an den straf­zu­mes­sungs­re­le­van­ten Umstän­den nach § 46 StGB aus­ge­rich­tet hat, son­dern sich allein von dem Bestre­ben hat lei­ten las­sen, die Gesamt­frei­heits­stra­fe in jedem Fall noch zur Bewäh­rung aus­set­zen zu kön­nen; das aber wäre recht­lich zu bean­stan­den [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. August 2017 – 1 StR 519/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 03.12 2007 – 5 StR 504/​07, NStZ 2009, 27; Urteil vom 17.01.1989 – 1 StR 730/​88, BGHR StGB § 53 Abs. 2 Ein­be­zie­hung 1[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 17.12 2014 – 4 StR 486/​14, NStZ 2015, 334; und vom 11.06.2002 – 1 StR 142/​02, NStZ-RR 2002, 264[]
  3. BGH, Beschluss vom 11.06.2002 – 1 StR 142/​02, NStZ-RR 2002, 264[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 07.10.2010 – 1 StR 484/​10, wis­tra 2011, 19[]
  5. vgl. Fischer, StGB, 64. Aufl., § 53 Rn. 5 mwN[]
  6. BGH, Urtei­le vom 17.03.2009 – 1 StR 627/​08, NJW 2009, 1979, 1984; vom 19.12 2000 – 5 StR 490/​00, BGHR StGB, § 53 Abs. 2 Nicht­ein­be­zie­hung 3; und vom 17.09.1980 – 2 StR 355/​80, BGHSt 29, 319, 321[]