Frei­spruch aus tat­säch­li­chen Grün­den – und die Anfor­de­run­gen an die Urteil­grün­de

Wird der Ange­klag­te aus tat­säch­li­chen Grün­den frei­ge­spro­chen, so müs­sen nach der Mit­tei­lung des Ankla­ge­vor­wurfs im Urteil zunächst die­je­ni­gen Tat­sa­chen fest­ge­stellt wer­den, die das Tat­ge­richt für erwie­sen erach­tet. Erst auf die­ser Grund­la­ge ist in der Beweis­wür­di­gung dar­zu­le­gen, aus wel­chen Grün­den die zur Ver­ur­tei­lung not­wen­di­gen Fest­stel­lun­gen nicht getrof­fen wer­den konn­ten 1.

Frei­spruch aus tat­säch­li­chen Grün­den – und die Anfor­de­run­gen an die Urteil­grün­de

Nur hier­durch wird das Revi­si­ons­ge­richt in die Lage ver­setzt, nach­prü­fen zu kön­nen, ob der Frei­spruch auf recht­lich beden­ken­frei­en Erwä­gun­gen beruht 2.

Das Revi­si­ons­ge­richt hat es grund­sätz­lich hin­zu­neh­men, wenn das Tat­ge­richt einen Ange­klag­ten frei­spricht, weil es Zwei­fel an des­sen Täter­schaft nicht zu über­win­den ver­mag. Die revi­si­ons­recht­li­che Prü­fung beschränkt sich dar­auf, ob dem Tat­ge­richt Rechts­feh­ler unter­lau­fen sind. Dies ist in sach­lich­recht­li­cher Hin­sicht etwa der Fall, wenn die Beweis­wür­di­gung wider­sprüch­lich, unklar oder lücken­haft ist oder gegen Denk­ge­set­ze oder gesi­cher­te Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt. Rechts­feh­ler­haft ist es auch, wenn sich das Tat­ge­richt bei sei­ner Beweis­wür­di­gung dar­auf beschränkt, die ein­zel­nen Belas­tungs­in­di­zi­en geson­dert zu erör­tern und auf ihren jewei­li­gen Beweis­wert zu prü­fen, ohne eine Gesamt­ab­wä­gung aller für und gegen die Täter­schaft spre­chen­den Umstän­de vor­zu­neh­men. Der revi­si­ons­ge­richt­li­chen Über­prü­fung unter­liegt zudem, ob über­spann­te Anfor­de­run­gen an die für die Ver­ur­tei­lung erfor­der­li­che Gewiss­heit gestellt wor­den sind 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Novem­ber 2014 – 1 StR 394/​14

  1. BGH, Urtei­le vom 21.10.2003 – 1 StR 544/​02, BGHR StPO § 267 Abs. 5 Frei­spruch 13 mwN; vom 17.03.2009 – 1 StR 479/​08, NStZ 2009, 512, 513; vom 03.03.2010 – 2 StR 427/​09, NStZ-RR 2010, 182; vom 18.12 2012 – 1 StR 415/​12 Rn. 25 [inso­weit in BGHSt 58, 72 nicht abge­druckt]; vom 08.05.2014 – 1 StR 722/​13, NStZ-RR 2014, 220[]
  2. BGH, Urtei­le vom 08.05.2014 – 1 StR 722/​13, NStZ-RR 2014, 220; vom 05.02.2013 – 1 StR 405/​12, NJW 2013, 1106; vom 18.12 2012 – 1 StR 415/​12 Rn. 25 [inso­weit in BGHSt 58, 72 nicht abge­druckt]; vom 27.10.2011 – 5 StR 236/​11; vom 17.05.1990 – 4 StR 208/​90, BGHR StPO § 267 Abs. 5 Frei­spruch 4; vom 26.09.1989 – 1 StR 299/​89, BGHR StPO § 267 Abs. 5 Frei­spruch 2[]
  3. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 27.04.2010 – 1 StR 454/​09, NStZ 2011, 108, 109; vom 01.02.2011 – 1 StR 408/​10 Rn. 15; vom 07.06.2011 – 5 StR 26/​11 Rn. 9; und vom 07.11.2012 – 5 StR 322/​12 Rn. 10; vom 18.12 2012 – 1 StR 415/​12 Rn. 28 [inso­weit in BGH 58, 72 nicht abge­druckt[]