Frei­spruch aus tat­säch­li­chen Grün­den – und die Urteil­grün­de

Bei einem Frei­spruch aus tat­säch­li­chen Grün­den muss der Tatrich­ter zunächst in einer geschlos­se­nen Dar­stel­lung die­je­ni­gen Tat­sa­chen fest­stel­len, die er für erwie­sen hält, bevor er in der Beweis­wür­di­gung dar­legt, aus wel­chen Grün­den die für einen Schuld­spruch erfor­der­li­chen – zusätz­li­chen – Fest­stel­lun­gen nicht getrof­fen wer­den kön­nen.

Frei­spruch aus tat­säch­li­chen Grün­den – und die Urteil­grün­de

Die Begrün­dung muss so abge­fasst sein, dass das Revi­si­ons­ge­richt prü­fen kann, ob dem Tatrich­ter Rechts­feh­ler unter­lau­fen sind, das heißt, ob die Beweis­wür­di­gung wider­sprüch­lich, unklar oder lücken­haft ist, ob sie gegen Denk­ge­set­ze ver­stößt oder ob der Tatrich­ter an die für eine Ver­ur­tei­lung erfor­der­li­che Gewiss­heit über­spann­te Anfor­de­run­gen gestellt hat 1)).

Die­sen Anfor­de­run­gen wird das erst­in­stanz­lich Urteil im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nicht gerecht: Im Anschluss an die Dar­stel­lung des Ankla­ge­vor­wurfs hat das Land­ge­richt die bestrei­ten­de Ein­las­sung des Ange­klag­ten und die Aus­sa­ge der Neben­klä­ge­rin wie­der­ge­ge­ben, ehe es auf vier­ein­halb Sei­ten Män­gel der belas­ten­den Aus­sa­ge dar­ge­legt hat, die ihr eine Über­zeu­gung im Sin­ne des Ankla­ge­vor­wurfs nicht mög­lich gemacht haben. Von wel­chen Gescheh­nis­sen sich das Land­ge­richt hat über­zeu­gen kön­nen, ist auch dem Gesamt­zu­sam­men­hang des Urteils nicht zu ent­neh­men. Einer­seits ist es der Dar­stel­lung des Ange­klag­ten nicht aus­nahms­los gefolgt, son­dern hat viel­mehr erheb­li­che Zwei­fel dar­an geäu­ßert, dass die­se in vol­lem Umfang zutref­fe. Ande­rer­seits hat es die Anga­ben der Neben­klä­ge­rin nicht voll­stän­dig für unzu­rei­chend erach­tet, son­dern viel­mehr für nicht völ­lig aus­ge­schlos­sen gehal­ten, dass zwei der Tat­vor­wür­fe einen wah­ren Kern beinhal­te­ten und dass ein ande­res dem Ange­klag­ten vor­ge­wor­fe­nes Gesche­hen sich bei einer ande­ren als der in der Ankla­ge­schrift in Bezug genom­me­nen Gele­gen­heit ereig­ne­te. Eine Situa­ti­on, dass wegen Ergeb­nis­lo­sig­keit der Beweis­auf­nah­me über­haupt kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen wer­den könn­ten 2, ist damit nicht gege­ben.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Novem­ber 2014 – 3 StR 334/​14

  1. st. Rspr.; BGH, Urtei­le vom 10.08.1994 – 3 StR 705/​93, BGHR StPO § 267 Abs. 5 Frei­spruch 10 mwN; vom 29.07.2010 – 4 StR 190/​10 7; vom 08.05.2014 – 1 StR 722/​13, NStZ-RR 2014, 220 ((nur Ls[]
  2. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 28.10.2010 – 3 StR 317/​10, NStZ-RR 2011, 88[]
  3. BGHSt 37, 22[]