Frei­spruch – und die Beweiswürdigung

Eine tat­ge­richt­li­che Beweis­wür­di­gung ist u.a. dann rechts­feh­ler­haft, wenn sie von einem recht­lich unzu­tref­fen­den Ansatz aus­geht oder lücken­haft ist, nament­lich wesent­li­che Fest­stel­lun­gen nicht erör­tert1.

Frei­spruch – und die Beweiswürdigung

Frei­lich kön­nen und müs­sen die Grün­de auch eines frei­spre­chen­den Urteils – je nach der Beweis­la­ge des Ein­zel­fal­les – nicht jeden beweis­erheb­li­chen Umstand aus­drück­lich wür­di­gen. Wenn aber nach dem Ergeb­nis der Haupt­ver­hand­lung ein ganz erheb­li­cher Tat­ver­dacht besteht, muss das Tat­ge­richt in sei­ne Beweis­wür­di­gung und deren Dar­le­gung die ersicht­lich mög­li­cher­wei­se wesent­lich gegen den Ange­klag­ten spre­chen­den Umstän­de und Erwä­gun­gen ein­be­zie­hen und in einer Gesamt­wür­di­gung betrach­ten2.

Dabei muss sich aus den Urteils­grün­den auch erge­ben, dass die ein­zel­nen Beweis­ergeb­nis­se nicht nur iso­liert gewer­tet, son­dern in eine umfas­sen­de Gesamt­ab­wä­gung ein­ge­stellt wur­den. Auch wenn kei­ne der Hilfs­tat­sa­chen für sich allein zum Nach­weis der Täter­schaft des Ange­klag­ten aus­rei­chen wür­de, besteht die Mög­lich­keit, dass sie in ihrer Gesamt­heit dem Tat­ge­richt die ent­spre­chen­de Über­zeu­gung ver­mit­teln kön­nen3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Novem­ber 2020 – 1 StR 328/​19

  1. st. Rspr.; BGH, Urteil vom 04.06.2019 – 1 StR 585/​17 Rn. 27 mwN[]
  2. BGH, Urtei­le vom 06.09.2006 – 5 StR 156/​06 Rn. 16; vom 11.11.2015 – 1 StR 235/​15 Rn. 39; und vom 08.09.2011 – 1 StR 38/​11 Rn. 13[]
  3. BGH, Urtei­le vom 04.06.2019 – 1 StR 585/​17 Rn. 28; und vom 11.11.2015 – 1 StR 235/​15 Rn. 43 mwN[]