Frei­spruch- und die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen des Ange­klag­ten

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann es aller­dings einen auf die Sach­rü­ge zu beach­ten­den Dar­stel­lungs­man­gel dar­stel­len, wenn die Urteils­grün­de kei­ne Fest­stel­lun­gen zu den per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen des Ange­klag­ten ent­hal­ten.

Frei­spruch- und die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen des Ange­klag­ten

Sol­che sind zwar in ers­ter Linie bei ver­ur­tei­len­den Erkennt­nis­sen not­wen­dig, um das Revi­si­ons­ge­richt in die Lage zu ver­set­zen, die Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen des Tat­ge­richts nach­voll­zie­hen zu kön­nen; bei frei­spre­chen­den Urtei­len ist der Tatrich­ter aus sach­lich­recht­li­chen Grün­den aber zumin­dest dann zu Fest­stel­lun­gen zur Per­son des Ange­klag­ten ver­pflich­tet, wenn die­se für die Beur­tei­lung des Tat­vor­wurfs eine Rol­le spie­len kön­nen und des­halb zur Über­prü­fung des Frei­spruchs durch das Revi­si­ons­ge­richt auf Rechts­feh­ler hin not­wen­dig sind 1.

Inso­weit ver­bie­tet sich indes eine sche­ma­ti­sche Betrach­tung 2; die Ent­schei­dung, ob ein Ver­stoß gegen § 267 Abs. 5 Satz 1 StPO vor­liegt, ist auf­grund der jewei­li­gen Umstän­de des Ein­zel­fal­les zu tref­fen.

Danach waren im hier ent­schie­de­nen Fall Fest­stel­lun­gen zum Wer­de­gang, zum Vor­le­ben und zur Per­sön­lich­keit des Ange­klag­ten ent­behr­lich. Denn ange­sichts der Beweis­la­ge, die dadurch gekenn­zeich­net ist, dass die DNA-Spur zwar auf den Ange­klag­ten hin­weist, wegen der zwei­fels­frei nicht von dem Ange­klag­ten stam­men­den Blut­spu­ren und der Ver­wen­dung einer ost­eu­ro­päi­schen Spra­che aber eine erheb­li­che Wahr­schein­lich­keit dafür besteht, dass ein unbe­kann­ter Drit­ter der Täter ist, kam dem Umstand, dass Taten wie die vor­lie­gen­de dem Ange­klag­ten womög­lich nicht wesens­fremd sind – mehr hät­te sich aus dem Bestehen etwai­ger, von der Revi­si­on urteils­fremd vor­ge­tra­ge­ner ein­schlä­gi­ger Vor­stra­fen nicht ablei­ten las­sen , kei­ne solch bestim­men­de Bedeu­tung zu, dass die Straf­kam­mer zur Mit­tei­lung jener Erkennt­nis­se in den Urteils­grün­den ver­pflich­tet war. Ob die Straf­kam­mer es mög­li­cher­wei­se unter­las­sen hat, die Beweis­auf­nah­me in der Haupt­ver­hand­lung auf etwai­ge Vor­stra­fen des Ange­klag­ten zu erstre­cken und ob dar­in gege­be­nen­falls ein Ver­stoß gegen die Auf­klä­rungs­pflicht gemäß § 244 Abs. 2 StPO zu erbli­cken sein könn­te, oder ob die Straf­kam­mer inso­weit zwar Beweis erho­ben, das Ergeb­nis die­ser Beweis­erhe­bung aber ent­ge­gen § 261 StPO im Urteil nicht berück­sich­tigt hat 3, kann der Bun­des­ge­richts­hof nicht über­prü­fen, weil die Staats­an­walt­schaft weder eine Auf­klä­rungs­rü­ge noch eine Inbe­griffs­rü­ge mit die­ser Stoß­rich­tung erho­ben hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. März 2015 – 3 StR 514/​14

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 02.04.2014 – 2 StR 554/​13, NStZ 2014, 419, 420; vom 13.03.2014 – 4 StR 15/​14 7 ff.; vom 11.03.2010 – 4 StR 22/​10, BGHR StPO § 267 Abs. 5 Frei­spruch 16[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 10.12 2014 – 5 StR 136/​14 18[]
  3. vgl. dazu LR/​Sander, StPO, 26. Aufl., § 261 Rn. 176[]

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