Frei­spruch – und die Über­prü­fung der Beweis­wür­di­gung im Revi­si­ons­ver­fah­ren

Spricht das Tat­ge­richt einen Ange­klag­ten frei, weil es Zwei­fel an sei23 ner Täter­schaft nicht zu über­win­den ver­mag, so ist dies vom Revi­si­ons­ge­richt grund­sätz­lich hin­zu­neh­men, da die Beweis­wür­di­gung Sache des Tat­ge­richts ist (§ 261 StPO).

Frei­spruch – und die Über­prü­fung der Beweis­wür­di­gung im Revi­si­ons­ver­fah­ren

Der Beur­tei­lung durch das Revi­si­ons­ge­richt unter­liegt nur, ob dem Tat­ge­richt Rechts­feh­ler unter­lau­fen sind. Das ist der Fall, wenn

  • die Beweis­wür­di­gung wider­sprüch­lich, unklar oder lücken­haft ist,
  • das Gericht gegen Denk­ge­set­ze oder gesi­cher­te Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt oder
  • das Gericht über­spann­te Anfor­de­run­gen an die Über­zeu­gungs­bil­dung gestellt hat.

Dabei hat das Revi­si­ons­ge­richt die tatrich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung selbst dann hin­zu­neh­men, wenn eine ande­re Beur­tei­lung näher­ge­le­gen hät­te [1].

Dem Tat­ge­richt kommt bei der Wür­di­gung von Erklä­run­gen ein wei­ter Beur­tei­lungs­spiel­raum zu. Lässt eine Aus­le­gung Ver­stö­ße gegen Den­kund Sprach­ge­set­ze oder gegen das Gebot umfas­sen­der Berück­sich­ti­gung aller maß­geb­li­chen Umstän­de nicht erken­nen, so muss sie vom Revi­si­ons­ge­richt als rechts­feh­ler­frei hin­ge­nom­men wer­den [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Janu­ar 2020 – 5 StR 385/​19

  1. st. Rspr., vgl. etwa BGH, Urteil vom 24.03.2015 – 5 StR 521/​14, NStZ-RR 2015, 178 mwN; LRStPO/​Sander, 26. Aufl., § 261 Rn. 182 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 02.04.2015 – 3 StR 197/​14, NStZ 2015, 636[]