Freispruch – und die Urteilsgründe

Spricht das Tatgericht einen Angeklagten – wie hier – teils aus tat­säch­li­chen, teils aus recht­li­chen Gründen frei, so ist in den schrift­li­chen Urteilsgründen zunächst der Anklagevorwurf auf­zu­zei­gen 1.

Freispruch – und die Urteilsgründe

Sodann muss in einer geschlos­se­nen Darstellung dar­ge­legt wer­den, wel­chen Sachverhalt das Gericht für erwie­sen erach­tet.

Erst anschlie­ßend ist zu erör­tern, aus wel­chen tat­säch­li­chen oder recht­li­chen Gründen die für einen Schuldspruch erfor­der­li­chen wei­te­ren Feststellungen nicht getrof­fen wer­den konn­ten 2.

Dies hat so voll­stän­dig und genau zu gesche­hen, dass das Revisionsgericht in die Lage ver­setzt ist zu prü­fen, ob der Freispruch auf rechts­feh­ler­frei­en Erwägungen beruht 3.

Diesen Anforderungen genüg­ten in dem hier vom Bundesgerichtshof beur­teil­ten Fall die schrift­li­chen Urteilsgründe noch. Zwar fehlt es an einer zusam­men­hän­gen­den und nach­voll­zieh­ba­ren Wiedergabe der Einlassungen der bei­den Angeklagten, die sich in der Hauptverhandlung zu den Tatvorwürfen geäu­ßert und ein pflicht­wid­ri­ges Handeln bestrit­ten haben. Der hier­in lie­gen­de Darlegungs- und Erörterungsmangel gefähr­det den Bestand des Urteils jedoch nicht. Der Bundesgerichtshof ver­mag den Urteilsgründen mit hin­rei­chen­der Bestimmtheit die­je­ni­gen Feststellungen und Wertungen zu ent­neh­men, die ihm eine recht­li­che Überprüfung des Freispruchs ermög­li­chen.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 7. September 2017 – 2 StR 24/​16

  1. st.Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 26.04.1990 – 4 StR 24/​90, BGHSt 37, 21, 22
  2. vgl. BGH, Urteil vom 18.05.2016 – 2 StR 7/​16, wis­tra 2016, 401; BGH, Urteil vom 05.02.2013 – 1 StR 405/​12, NJW 2013, 1106
  3. vgl. Meyer-Goßner/Appl, Die Urteile in Strafsachen, 29. Aufl., Rn. 621 ff.