Frei­spruch – und die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se des Ange­klag­ten

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann es einen auf Sach­rü­ge zu beach­ten­den Dar­stel­lungs­man­gel dar­stel­len, wenn die Urteils­grün­de kei­ne Fest­stel­lun­gen zu den per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen des Ange­klag­ten ent­hal­ten.

Frei­spruch – und die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se des Ange­klag­ten

Sol­che sind zwar in ers­ter Linie bei ver­ur­tei­len­den Erkennt­nis­sen not­wen­dig, um das Revi­si­ons­ge­richt in die Lage zu ver­set­zen, die Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen des Tat­ge­richts nach­voll­zie­hen zu kön­nen.

Bei frei­spre­chen­den Urtei­len ist der Tatrich­ter aus sach­lich­recht­li­chen Grün­den aber zumin­dest dann zu Fest­stel­lun­gen zur Per­son des Ange­klag­ten ver­pflich­tet, wenn die­se für die Beur­tei­lung des Tat­vor­wurfs eine Rol­le spie­len kön­nen und des­halb zur Über­prü­fung des Frei­spruchs durch das Revi­si­ons­ge­richt auf Rechts­feh­ler hin not­wen­dig sind 1.

Inso­weit ver­bie­tet sich indes eine sche­ma­ti­sche Betrach­tung 2; die Ent­schei­dung, ob ein Ver­stoß gegen § 267 Abs. 5 Satz 1 StPO vor­liegt, ist auf­grund der jewei­li­gen Umstän­de des Ein­zel­fal­les zu tref­fen.

Danach waren im hier ent­schie­de­nen Fall Fest­stel­lun­gen zum Wer­de­gang, zum Vor­le­ben und zur Per­sön­lich­keit des Ange­klag­ten ent­behr­lich: Die Beweis­la­ge ist nach dem auf Sach­rü­ge allein maß­geb­li­chen Inhalt der Urteils­ur­kun­de dadurch gekenn­zeich­net, dass ins­be­son­de­re der Inhalt der über­wach­ten Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on kei­nen Bezug zu dem hier abge­ur­teil­ten Betäu­bungs­mit­tel­han­del des Ange­klag­ten auf­weist; die­ser hat "in kei­nem der Gesprä­che Andeu­tung gefun­den". Danach käme dem Umstand, dass Taten wie die vor­lie­gen­den dem Ange­klag­ten womög­lich nicht wesens­fremd sind – mehr hät­te sich aus dem Bestehen etwai­ger ein­schlä­gi­ger Vor­stra­fen nicht ablei­ten las­sen –, kei­ne solch bestim­men­de Bedeu­tung zu, dass die Straf­kam­mer zur Mit­tei­lung jener Erkennt­nis­se in den Urteils­grün­den ver­pflich­tet war.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Okto­ber 2016 – – 4 StR 239/​16

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 02.04.2014 – 2 StR 554/​13, NStZ 2014, 419, 420; vom 13.03.2014 – 4 StR 15/​14 7 ff., NStZ-RR 2014, 153 [LS]; vom 11.03.2010 – 4 StR 22/​10, BGHR StPO § 267 Abs. 5 Frei­spruch 16[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 10.12 2014 – 5 StR 136/​14 18; und vom 05.03.2015 – 3 StR 514/​14, NStZ-RR 2015, 180 f.[]