Fremd­gel­der auf dem Kanz­lei­kon­to

Zwar kann der Schwer­punkt der Vor­werf­bar­keit in einem Unter­las­sen im Sin­ne des § 13 StGB lie­gen, wenn ein Rechts­an­walt den Tat­be­stand der Untreue allein dadurch ver­wirk­licht, dass er pflicht­wid­rig sei­nem Man­dan­ten oder einem Drit­ten zuste­hen­de Gel­der nicht wei­ter­lei­tet, son­dern die­se Gel­der auf sei­nem Geschäfts­kon­to belässt und der Vor­wurf sich in einem blo­ßen Vor­ent­hal­ten der Gel­der erschöpft 1.

Fremd­gel­der auf dem Kanz­lei­kon­to

Tritt zur blo­ßen Ent­ge­gen­nah­me des Gel­des ein akti­ves Tun des Rechts­an­walts hin­zu, indem er die Gel­der bei­spiels­wei­se anfor­dert, sie für eige­ne Zwe­cke ver­wen­det oder ihren Ein­gang auf sei­nen Geschäfts­kon­ten leug­net, liegt der Schwer­punkt der Vor­werf­bar­keit in akti­vem Tun 2.

So lagt es in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall: Der Rechts­an­walt ver­wen­de­te die Gel­der für eige­ne Zwe­cke; außer­dem ver­schlei­er­te er gegen­über sei­nen Man­dan­ten den Ein­gang der für sie bestimm­ten Gel­der, hielt sie mit Aus­flüch­ten hin und spie­gel­te ihnen vor, ein gericht­li­ches Ver­fah­ren müs­se ein­ge­lei­tet wer­den respek­ti­ve daue­re noch an.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Novem­ber 2015 – 2 StR 144/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 25.07.1997 – 3 StR 179/​97, NStZ-RR 1997, 357[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 29.01.2015 – 1 StR 587/​14, NJW 2015, 1190, 1191[]