Fris­tein­hal­tung beim Kla­ge­er­zwin­gungs­an­trag

Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le neigt dazu, sich – in Abkehr von sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung 1 – der in der Recht­spre­chung über­wie­gen­den Auf­fas­sung anzu­schlie­ßen, nach der ein zuläs­si­ger Antrag nach § 172 Abs. 2 StPO Anga­ben zum Ein­hal­ten der Frist ent­hal­ten muss.

Fris­tein­hal­tung beim Kla­ge­er­zwin­gungs­an­trag

Im hier vom Ober­lan­des­ge­richt Cel­le ent­schie­de­nen Fall teil­te der Antrag­stel­ler nicht mit, wann ihm der Bescheid des Gene­ral­staats­an­walts zuge­gan­gen ist. Nach über­wie­gen­der in der Recht­spre­chung hier­zu ver­tre­te­ner Auf­fas­sung führt bereits die­ser Umstand, soweit die Recht­zei­tig­keit sich nicht schon allein aus den Daten ohne Wei­te­res ergibt, zur Unzu­läs­sig­keit des Antrags, weil das Ober­lan­des­ge­richt ohne Rück­griff auf die Akten nicht über­prü­fen kann, ob die Frist des § 172 Abs. 2 StPO ein­ge­hal­ten wur­de 2. Gegen die­se Auf­fas­sung wird neben einer Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main 3 vor allem eine Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le bemüht, nach wel­cher es der Anga­be von Umstän­den der Frist­wah­rung für die Zuläs­sig­keit eines Antrags nach § 172 Abs. 2 StPO nicht bedür­fe 4.

Hier­zu weist das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le indes­sen dar­auf hin, dass die­se Ent­schei­dung sich zur Fra­ge der Mit­tei­lung zur Frist­wah­rung jeden­falls aus­drück­lich gar nicht ver­hält. Gegen­stand der bemüh­ten Ent­schei­dung ist viel­mehr die – dort ver­nein­te – Fra­ge, ob ein Antrag die Grün­de der Ein­stel­lungs­be­schei­de mit­tei­len muss. Zu die­ser Fra­ge hat das OLG Cel­le sich indes­sen abwei­chend posi­tio­niert: Nach stän­di­ger Spruch­pra­xis des OLG Cel­le muss ein zuläs­si­ger Antrag nach § 172 Abs. 2 StPO zumin­dest in gro­ben Zügen den Gang des Ermitt­lungs­ver­fah­rens und hier­bei auch den Inhalt der ange­grif­fe­nen Beschei­de und die Grün­de für deren behaup­te­te Unrich­tig­keit mit­tei­len 5. Vor die­sem Hin­ter­grund erscheint es nur fol­ge­rich­tig und neigt das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le des­halb dazu, sich der über­wie­gen­den Recht­spre­chung anzu­schlie­ßen und sei­ne Spruch­pra­xis dahin­ge­hend zu ergän­zen, dass ein Antrag auch die Umstän­de zum Wah­ren der Frist aus § 172 Abs. 2 StPO mit­tei­len muss.

Hier­auf kam es im vor­lie­gen­den Fall aber nicht ent­schei­dend an. Denn der Antrag ist auch aus ande­ren Grün­den bereits unzu­läs­sig. Denn da der Antrag­stel­ler dem Beschul­dig­ten Straf­ta­ten nach Maß­ga­be der §§ 185 ff StGB zur Last legt, steht der Zuläs­sig­keit sei­nes Antrags bereits ent­ge­gen, dass es sich hier­bei im Pri­vat­kla­ge­de­lik­te (§ 374 Abs. 1 Nr. 2 StPO) han­delt, die nach § 172 Abs. 2 Satz 3 StPO nicht Gegen­stand eines Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­rens sein kön­nen.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 18. Janu­ar 2012 – 1 Ws 20/​12

  1. OLG Cel­le NStZ 1989, 43[]
  2. vgl. nur LR/Graal­mann-Schee­rer, StPO, 26. Aufl., § 172 Rn. 147. Mey­er-Goß­ner, Straf­pro­zess­ord­nung, 54. Aufl., § 172 Rn. 27b m.w.N.[]
  3. OLG Frank­furt am Main, NStZ-RR 2006, 311[]
  4. OLG Cel­le, NStZ 1989, 43 = OLGSt Nr. 25 zu § 172 StPO[]
  5. OLG Cel­le, Beschluss vom 11.08.2010 – 1 Ws 395/​10, wis­tra 2010, 494; Mey­er-Goß­ner, § 172 Rn. 27a[]