Frü­he­re Ver­ur­tei­lun­gen – und die Gesamt­stra­fen­bil­dung

Nach der Vor­schrift des § 55 StGB ist unter Anwen­dung der §§ 53 und 54 StGB nach­träg­lich eine Gesamt­stra­fe zu bil­den, wenn ein bereits rechts­kräf­tig Ver­ur­teil­ter vor Erle­di­gung der gegen ihn erkann­ten Stra­fe wegen einer ande­ren Straf­tat ver­ur­teilt wird, die er vor der frü­he­ren Ver­ur­tei­lung began­gen hat.

Frü­he­re Ver­ur­tei­lun­gen – und die Gesamt­stra­fen­bil­dung

Die­se Rege­lung soll ihrem Grund­ge­dan­ken nach sicher­stel­len, dass Taten, die bei gemein­sa­mer Abur­tei­lung nach den §§ 53, 54 StGB behan­delt wor­den wären, auch bei getrenn­ter Abur­tei­lung die­sel­be Behand­lung erfah­ren, sodass der Täter im Ergeb­nis weder bes­ser noch schlech­ter gestellt ist 1.

Hier­bei kommt es maß­geb­lich allein auf die mate­ri­el­le Rechts­la­ge und nicht auf die ver­fah­rens­recht­li­che Situa­ti­on an 2.

Fol­gen der Been­di­gung der neu abge­ur­teil­ten Tat meh­re­re Ver­ur­tei­lun­gen des Täters nach, ist bei der Bil­dung einer nach­träg­li­chen Gesamt­stra­fe von der frü­hes­ten nicht erle­dig­ten Ver­ur­tei­lung aus­zu­ge­hen. Die­ser Ver­ur­tei­lung kommt regel­mä­ßig – von hier nicht vor­lie­gen­den Aus­nah­me­kon­stel­la­tio­nen abge­se­hen – eine Zäsur­wir­kung zu 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Novem­ber 2018 – 4 StR 269/​18

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 16.12 1954 – 3 StR 189/​54, BGHSt 7, 180, 181; Beschlüs­se vom 07.12 1983 – 1 StR 148/​83, BGHSt 32, 190, 193; vom 09.11.2010 – 4 StR 441/​10, StV 2011, 158; Ris­sing-van Saan in LKStGB, 12. Aufl., § 55 Rn. 2[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 07.12 1983 – 1 StR 148/​83, aaO; vom 22.02.2012 – 4 StR 22/​12, wis­tra 2012, 221[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 14.11.2003 – 2 StR 394/​03, NStZ-RR 2004, 137; vom 28.07.2006 – 2 StR 215/​06, NStZ 2007, 28; vom 11.04.2018 – 4 StR 53/​18 Rn. 4; Fischer, StGB, 65. Aufl., § 55 Rn. 11 mwN[]