Funk­zel­len­ab­fra­ge – und die Erhe­bung retro­gra­der Stand­ort­da­ten

Mit Ablauf der Über­lei­tungs­vor­schrift des § 12 EGSt­PO zum 29.07.2017, der die retro­gra­de Erhe­bung der nach § 96 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 TKG gespei­cher­ten Stand­ort­da­ten bis 29.07.2017 auf der Grund­la­ge des § 100g Abs. 1 StPO in der bis zum Inkraf­tre­ten des Geset­zes zur Ein­füh­rung einer Spei­cher­frist und einer Höchst­spei­cher­frist für Ver­kehrs­da­ten vom 10.12 2015 ermög­lich­te, besteht kei­ne gesetz­li­che Grund­la­ge mehr nach § 96 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 TKG gespei­cher­te Stand­ort­da­ten rück­wir­kend zu erhe­ben, § 100g Abs. 1 Satz 3 StPO.

Funk­zel­len­ab­fra­ge – und die Erhe­bung retro­gra­der Stand­ort­da­ten

Die Erhe­bung von retro­gra­den Stand­ort­da­ten ist aus­schließ­lich auf der Grund­la­ge von § 100g Abs. 2 StPO i.V.m. § 113b TKG zuläs­sig.

Dies steht nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers einer retro­gra­den Funk­zel­len­ab­fra­ge gemäß § 100g Abs. 3 i.V.m. § 100g Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 StPO jedoch nicht grund­sätz­lich ent­ge­gen. Der Gesetz­ge­ber ging bei der Rege­lung der Funk­zel­len­ab­fra­ge in § 100g Abs. 3 StPO 1 aus­drück­lich davon aus, dass eine Funk­zel­len­ab­fra­ge nicht aus­schließ­lich die Erhe­bung von Stand­ort­da­ten, son­dern die Erhe­bung aller Ver­kehrs­da­ten beinhal­tet 2, mit­hin auch die retro­gra­de Funk­zel­len­ab­fra­ge durch Her­an­zie­hung der gemäß § 96 TKG gespei­cher­ten Ver­kehrs­da­ten grund­sätz­lich mög­lich ist, § 100g Abs. 3 Satz 1 StPO.

Da – wie aus­ge­führt – für die rück­wir­ken­de Erhe­bung der gemäß § 96 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 TKG gespei­cher­ten Stand­ort­da­ten jedoch seit 29.07.2017 kei­ne gesetz­li­che Grund­la­ge mehr besteht, dür­fen für die retro­gra­de Funk­zel­len­ab­fra­ge auf der Grund­la­ge des § 100g Abs. 3 Satz 1 StPO i.V.m. § 100g Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 StPO Stand­ort­da­ten nicht her­an­ge­zo­gen wer­den. Anhalts­punk­te dafür, dass der Gesetz­ge­ber von dem seit 29.07.2017 gel­ten­den Ver­bot der rück­wir­ken­den Erhe­bung der gemäß § 96 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 TKG gespei­cher­ten Stand­ort­da­ten, in § 100g Abs. 3 Satz 1 StPO eine Aus­nah­me zulas­sen woll­te, sind nicht ersicht­lich und wür­den dem Rege­lungs­ge­fü­ge des § 100g StPO und der damit ver­bun­de­nen Inten­ti­on des Gesetz­ge­bers, sowohl die Erhe­bung der Stand­ort­da­ten als auch die Funk­zel­len­ab­fra­ge wegen der damit ver­bun­de­nen erhöh­ten Beein­träch­ti­gun­gen an beson­de­re Vor­aus­set­zun­gen zu knüp­fen 3, wider­spre­chen.

Inwie­weit auf die­ser Basis tech­nisch eine Funk­zel­len­ab­fra­ge durch­führ­bar ist, bleibt nach Ansicht des Ermitt­lungs­rich­ters des Bun­des­ge­richts­hof der Aus­füh­rung der­sel­ben vor­be­hal­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. August 2017 – 1 BGs 237/​17

  1. Gesetz zur Ein­füh­rung einer Spei­cher­frist und einer Höchst­spei­cher­frist für Ver­kehrs­da­ten vom 10.12 2015 [BGBl. I S. 2218][]
  2. Geset­zes­be­grün­dung S. 36, BT-Drs. 18/​5088[]
  3. vgl. Geset­zes­be­grün­dung S. 35/​36, BT-Drs. 18/​5088[]