GBL – Gam­ma-Buty­ro­lac­ton

Der Han­del mit Gam­ma-Buty­ro­lac­ton (GBL) zu Kon­sum­zwe­cken ist nach dem Arz­nei­mit­tel­ge­setz straf­bar, bestä­tig­te jetzt der Bun­des­ge­richts­hof..

GBL – Gam­ma-Buty­ro­lac­ton

Das Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth hat zwei Ange­klag­te, die mit der che­mi­schen Sub­stanz Gam­ma-Buty­ro­lac­ton (GBL) – einem der Grund­stof­fe zur Her­stel­lung von „liquid ecsta­sy“ – han­del­ten, wegen uner­laub­ten Inver­kehr­brin­gens bedenk­li­cher Arz­nei­mit­tel in acht Fäl­len zu Gesamt­frei­heits­stra­fen von fünf Jah­ren und drei Mona­ten bzw. von fünf Jah­ren und sechs Mona­ten ver­ur­teilt; außer­dem hat es den Ver­fall von Wert­er­satz in Höhe von 463.410,- Euro ange­ord­net [1]. Der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt die Revi­sio­nen der bei­den Ange­klag­ten gegen das land­ge­richt­li­che Urteil als unbe­grün­det zurück­ge­wie­sen und erst­mals höchst­rich­ter­lich ent­schie­den, dass es sich bei GBL – sowohl nach der alten als auch nach der neu­en, seit dem 23. Juli 2009 gel­ten­den Geset­zes­fas­sung – um ein Arz­nei­mit­tel im Sin­ne des Arz­nei­mit­tel­ge­set­zes han­delt. Dies war bis­lang, ins­be­son­de­re unter den Kon­su­men­ten des Mit­tels, umstrit­ten.

Nach den land­ge­richt­li­chen Fest­stel­lun­gen wird GBL, von dem jähr­lich allein in Deutsch­land etwa 50.000 Ton­nen indus­tri­ell her­ge­stellt wer­den, haupt­säch­lich in der che­mi­schen Indus­trie ver­wen­det, etwa als Aus­gangs­stoff für che­mi­sche Syn­the­sen oder als Wirk­stoff in Rei­ni­gungs- und Lösungs­mit­teln. GBL kann dane­ben aber auch als Dro­ge kon­su­miert wer­den. In gerin­gen Dosen führt es zu Rausch­zu­stän­den. Inso­weit hat sich bereits ein gewis­ser Markt an Kon­su­men­ten gebil­det. Bei Über­do­sie­run­gen oder in Ver­bin­dung mit Alko­hol kann die Ein­nah­me von GBL zu schwe­ren Gesund­heits­be­ein­träch­ti­gun­gen füh­ren. So kann es zu Krämp­fen, Brech­reiz und koma­tö­sen Zustän­den kom­men, aber auch einen Atem­still­stand oder sogar Herz- oder Kreis­lauf­ver­sa­gen zur Fol­ge haben. Nach­dem GBL aus dem Anwen­dungs­be­reich des BtMG her­aus­ge­nom­men wor­den war, hat sich die che­mi­sche Indus­trie wegen der Miss­brauchs­ge­fah­ren einer frei­wil­li­gen Selbst­kon­trol­le unter­wor­fen, dem sog. Moni­to­ring, mit der Fol­ge, dass der Ver­kauf der Sub­stanz an pri­va­te Abneh­mer erheb­li­chen Beschrän­kun­gen unter­liegt. Die Ange­klag­ten, die das von ihnen über das Inter­net ver­trie­be­ne GBL im Che­mie­groß­han­del erwar­ben, hiel­ten sich nicht an die­se Ver­kaufs­be­schrän­kun­gen. Nach den land­ge­richt­li­chen Fest­stel­lun­gen woll­ten sie das GBL an Pri­vat­ab­neh­mer ver­kau­fen, die die Absicht hat­ten, das GBL als Dro­ge zu ver­wen­den. Auf ihren Inter­net­sei­ten war­ben sie des­halb mit einem „Ver­kauf an Privat/​kein Moni­to­ring“. Um den tat­säch­li­chen Ver­wen­dungs­zweck des GBL als Dro­ge zu ver­schlei­ern, boten die Ange­klag­ten es als „wheel-clea­ner“ oder „glue-remo­ver“ an. Im Tat­zeit­raum von März 2005 bis Febru­ar 2007 erhiel­ten die Ange­klag­ten ins­ge­samt acht Lie­fe­run­gen des Stof­fes in einer Gesamt­men­ge von 5699 Litern, die sie bis auf weni­ge hun­dert Liter an ihre Kun­den zum Kon­sum abga­ben. Sie erziel­ten hier­bei einen Erlös von etwa 564.000,- €. Durch die Ein­nah­me des von den Ange­klag­ten ver­trie­be­nen GBL kam es bei eini­gen Kon­su­men­ten, die zum Teil noch min­der­jäh­rig waren, zu beträcht­li­chen Gesund­heits­be­ein­träch­ti­gun­gen wie Bewusst­seins­ver­lust, Schwin­del­ge­füh­len, Erbre­chen oder schwe­rer Abhän­gig­keit.

Das Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth ist bei sei­ner recht­li­chen Bewer­tung davon aus­ge­gan­gen, dass GBL zwar nach der Ver­kehrs­an­schau­ung wegen sei­ner haupt­säch­li­chen Ver­wen­dung in der che­mi­schen Indus­trie kein Arz­nei­mit­tel dar­stel­le. Im vor­lie­gen­den Fall sei aber aus­nahms­wei­se auf die sub­jek­ti­ve Zweck­be­stim­mung durch die Ange­klag­ten abzu­stel­len, weil das Mit­tel für meh­re­re Ver­wen­dungs­zwe­cke geeig­net sei und die Ange­klag­ten es zu Kon­sum­zwe­cken abge­ge­ben hät­ten, so dass GBL vor­lie­gend den­noch ein Arz­nei­mit­tel im Sin­ne des § 2 Abs. 1 Nr. 5 AMG in der bis 22. Juli 2009 gel­ten­den Fas­sung sei.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die­se Auf­fas­sung des Land­ge­richts Nürn­berg-Fürth nur inso­weit bestä­tigt, als es sich bei GBL um ein Arz­nei­mit­tel im Sin­ne des Arz­nei­mit­tel­ge­set­zes han­delt. Der Auf­fas­sung des Land­ge­richts, wonach sich ledig­lich aus der sub­jek­ti­ven Zweck­be­stim­mung durch die Ange­klag­ten die Arz­nei­mit­tel­ei­gen­schaft des Mit­tels erge­be, ist der Bun­des­ge­richts­hof dage­gen nicht gefolgt. Aus­schlag­ge­bend hier­für war, dass auf­grund der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Arz­nei­mit­tel­be­griff die sub­jek­ti­ve Zweck­be­stim­mung eines Mit­tels nur zur Beschrän­kung, aber nicht zur Begrün­dung einer Straf­bar­keit her­an­ge­zo­gen wer­den darf. In den Fäl­len, in denen nach der Ver­kehrs­an­schau­ung objek­tiv kein Arz­nei­mit­tel vor­liegt, kann die Arz­nei­mit­tel­ei­gen­schaft daher auch nicht durch einen Rück­griff auf eine sub­jek­ti­ve Zweck­be­stim­mung durch den Her­stel­ler oder den­je­ni­gen, der das Mit­tel in Ver­kehr gebracht hat, begrün­det wer­den. Die inso­weit feh­ler­haf­te Bewer­tung durch das Land­ge­richt hat den­noch nicht zur Urteils­auf­he­bung geführt.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass es sich bei GBL auch nach der Ver­kehrs­an­schau­ung um ein Arz­nei­mit­tel nach dem AMG han­delt. Maß­geb­lich hier­für waren unter ande­rem die phar­ma­ko­lo­gi­sche Wir­kung von GBL sowie der Umstand, dass die Ver­wen­dungs­mög­lich­kei­ten als Dro­ge – ins­be­son­de­re auf­grund von Bei­trä­gen im Inter­net – in der Öffent­lich­keit bekannt sind und dass sich dem­entspre­chend schon ein Markt an Kon­su­men­ten gebil­det hat. Der 1. Straf­se­nat hat in sei­ner Ent­schei­dung zudem klar­ge­stellt, dass sich an die­ser Rechts­la­ge auch durch die Neu­fas­sung des Arz­nei­mit­tel­ge­set­zes nichts geän­dert hat und die Abga­be von GBL zu Kon­sum­zwe­cken auch wei­ter­hin straf­bar ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Dezem­ber 2009 – 1 StR 277/​09

  1. LG Nürn­berg-Fürth, Urteil vom 22.12.2008 – 7 Kls 352 Js 22486/​06[]