Gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung im Stra­ßen­ver­kehr – und die Fra­ge des Vor­sat­zes

Einen auf die Bege­hung einer gefähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung in der Vari­an­te des § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB gerich­te­ten Vor­satz hat, wer eine ande­re Per­son durch ein von außen unmit­tel­bar auf den Kör­per ein­wir­ken­des gefähr­li­ches Tat­mit­tel im Sin­ne von § 223 Abs. 1 StGB miss­han­deln oder an der Gesund­heit beschä­di­gen will oder dies zumin­dest bil­li­gend in Kauf nimmt 1.

Gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung im Stra­ßen­ver­kehr – und die Fra­ge des Vor­sat­zes

Fährt der Täter mit einem Pkw auf einen ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer zu, ist der inne­re Tat­be­stand des § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB daher nur dann erfüllt, wenn er sich dabei wenigs­tens mit der Mög­lich­keit abge­fun­den hat, dass die betrof­fe­ne Per­son ange­fah­ren oder über­fah­ren wird und unmit­tel­bar hier­durch eine Kör­per­ver­let­zung erlei­det 2.

Rech­net der Täter dage­gen nur mit Ver­let­zun­gen infol­ge von Aus­weich­be­we­gun­gen oder einem Sturz, schei­det die Annah­me einer ver­such­ten gefähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung gemäß § 224 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2, §§ 22, 23 Abs. 1 StGB aus 3.

Soweit die Annah­me einer ver­such­ten vor­sätz­li­chen Kör­per­ver­let­zung gemäß § 223 Abs. 2, §§ 22, 23 Abs. 1 StGB nicht in Betracht kommt, weil es an den Vor­aus­set­zun­gen eines Straf­an­trags (§ 230 Abs. 1 StGB) fehlt, ist der Ange­klag­te inso­weit nur des gefähr­li­chen Ein­griffs in den Stra­ßen­ver­kehr gemäß § 315b Abs. 1 Nr. 3, Abs. 3 i.V.m. § 315 Abs. 3 Nr. 1a und 1b StGB schul­dig.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Novem­ber 2014 – 4 StR 200/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 25.04.2013 – 4 StR 551/​12, Rn. 24; Beschluss vom 25.04.2012 – 4 StR 30/​12, NStZ 2012, 697, 698; Beschluss vom 30.06.2011 – 4 StR 266/​11, Rn. 5[]
  2. BGH, Beschluss vom 14.01.2014 – 4 StR 453/​13; Beschluss vom 30.07.2013 – 4 StR 275/​13, NStZ 2014, 36 f.; Beschluss vom 16.01.2007 – 4 StR 524/​06, NStZ 2007, 405; Lackner/​Kühl, StGB, 28. Aufl., § 224 Rn. 5[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 25.04.2013 – 4 StR 551/​12, NStZ-RR 2013, 369 f.[]