Gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung – und der orts­ab­we­sen­de Mit­tä­ter

Der gefähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung gemäß § 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB macht sich schul­dig, wer die Kör­per­ver­let­zung (§ 223 Abs. 1 StGB) mit einem ande­ren Betei­lig­ten gemein­schaft­lich begeht. Für eine gemein­schaft­li­che Tat­be­ge­hung ist es nicht erfor­der­lich, dass jeder der Mit­tä­ter eigen­hän­dig an der Kör­per­ver­let­zungs­hand­lung teil­nimmt; auch kann ein Mit­tä­ter (orts-)abwesend sein, vor­aus­ge­setzt, dass min­des­tens zwei wei­te­re Täter dem Opfer gegen­über­ste­hen 1.

Gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung – und der orts­ab­we­sen­de Mit­tä­ter

Ob ein in die­sem Sin­ne Abwe­sen­der Tat­be­tei­lig­ter der gemein­schaft­li­chen gefähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung ande­rer ist, rich­tet sich nach den all­ge­mei­nen Regeln der Mit­tä­ter­schaft, der Anstif­tung oder der Bei­hil­fe 2. Somit ist Mit­tä­ter im Sin­ne von § 25 Abs. 2 StGB, wer sei­nen eige­nen Tat­bei­trag so in die Tat ein­fügt, dass er als Teil der Hand­lung eines ande­ren Betei­lig­ten und umge­kehrt des­sen Han­deln als Ergän­zung des eige­nen Tat­an­teils erscheint.

Mit­tä­ter­schaft erfor­dert dabei zwar nicht zwin­gend eine Mit­wir­kung am Kern­ge­sche­hen selbst; aus­rei­chen kann auch ein die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung för­dern­der Bei­trag, der sich auf eine Vor­be­rei­tungs- oder Unter­stüt­zungs­hand­lung beschränkt. Stets muss sich die­se Mit­wir­kung aber nach der Wil­lens­rich­tung des sich Betei­li­gen­den als Teil der Tätig­keit aller dar­stel­len.

Ob danach Mit­tä­ter­schaft anzu­neh­men ist, hat der Tatrich­ter auf­grund einer wer­ten­den Gesamt­be­trach­tung aller fest­ge­stell­ten Umstän­de zu prü­fen; maß­geb­li­che Kri­te­ri­en sind der Grad des eige­nen Inter­es­ses an der Tat, der Umfang der Tat­be­tei­li­gung und die Tat­herr­schaft oder wenigs­tens der Wil­le dazu, so dass die Durch­füh­rung und der Aus­gang der Tat maß­geb­lich auch vom Wil­len des Betref­fen­den abhän­gen 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Juli 2016 – 3 StR 165/​16

  1. BGH, Beschluss vom 14.10.1999 – 4 StR 312/​99, NStZ 2000, 194, 195[]
  2. BGH, Beschluss vom 10.05.2012 – 3 StR 68/​12, NStZ-RR 2012, 270[]
  3. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteil vom 17.10.2002 – 3 StR 153/​02, NStZ 2003, 253, 254; Beschlüs­se vom 02.07.2008 – 1 StR 174/​08, NStZ 2009, 25, 26; vom 29.09.2015 – 3 StR 336/​15, NStZ-RR 2016, 6, 7[]