Gefähr­li­cher Ein­griff in den Stra­ßen­ver­kehr – und die erfor­der­li­che Gefähr­dung

Ein voll­ende­ter gefähr­li­cher Ein­griff in den Stra­ßen­ver­kehr erfor­dert, dass durch eine der in den Num­mern 1 bis 3 des § 315b Abs. 1 StGB genann­ten Tat­hand­lun­gen eine Beein­träch­ti­gung der Sicher­heit des Stra­ßen­ver­kehrs her­bei­ge­führt wor­den ist, die sich zu einer kon­kre­ten Gefähr­dung von Leib oder Leben eines ande­ren Men­schen oder einer frem­den Sache von bedeu­ten­dem Wert ver­dich­tet hat.

Gefähr­li­cher Ein­griff in den Stra­ßen­ver­kehr – und die erfor­der­li­che Gefähr­dung

Dabei muss die Tat­hand­lung über die ihr inne­woh­nen­de laten­te Gefähr­lich­keit hin­aus zu einer kri­ti­schen Situa­ti­on geführt haben, in der – was nach all­ge­mei­ner Lebens­er­fah­rung auf Grund einer objek­ti­ven nach­träg­li­chen Pro­gno­se zu beur­tei­len ist – die Sicher­heit einer bestimm­ten Per­son oder Sache im Sin­ne eines "Bei­na­he­un­falls" so stark beein­träch­tigt war, dass es nur noch vom Zufall abhing, ob das Rechts­gut ver­letzt wur­de oder nicht 1.

Die Gefähr­dung einer frem­den Sache von bedeu­ten­dem Wert ist dabei nicht schon dann gege­ben, wenn eine wert­hal­ti­ge Sache in einer sol­chen Wei­se gefähr­det wor­den ist. Viel­mehr ist auch erfor­der­lich, dass ein bedeu­ten­der Scha­den gedroht hat 2. Des­sen Höhe ist nach der am Markt­wert zu mes­sen­den Wert­min­de­rung zu berech­nen 3.

In sub­jek­ti­ver Hin­sicht setzt § 315b Abs. 1 StGB bei einem sog. Außen­ein­griff ledig­lich vor­aus, dass die Her­bei­füh­rung der kon­kre­ten Gefahr für Leib oder Leben eines ande­ren oder frem­de Sachen von bedeu­ten­dem Wert vom Vor­satz des Täters umfasst war 4. Dabei ist ein beding­ter Vor­satz aus­rei­chend, sodass bereits vor­sätz­lich han­delt, wer die Umstän­de kennt, die zu der bestimm­ten Gefähr­dung geführt haben und den Ein­tritt der dar­aus fol­gen­den (kon­kre­ten) Gefah­ren­la­ge zumin­dest bil­li­gend in Kauf nimmt 5.

Die Fest­stel­lung, dass es dar­um ging, Kraft­fah­rer zum Anhal­ten zu ver­an­las­sen, um deren Fahr­zeug an sich zu brin­gen, deu­tet – für sich genom­men – nicht auf einen Gefähr­dungs­vor­satz hin.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Dezem­ber 2018 – 4 StR 505/​18

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 24.10.2017 – 4 StR 334/​17, Rn. 4; Beschluss vom 04.09.1995 – 4 StR 471/​95, NZV 1996, 37; Beschluss vom 15.02.1963 – 4 StR 404/​62, BGHSt 18, 271, 272 f.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 12.04.2011 – 4 StR 22/​11, Rn. 5; Beschluss vom 29.04.2008 – 4 StR 617/​07, NStZ-RR 2008, 289 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 28.09.2010 – 4 StR 245/​10, NStZ 2011, 215; Beschluss vom 29.04.2008 – 4 StR 617/​07, NStZ-RR 2008, 289 mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2003 – 4 StR 228/​02, BGHSt 48, 233, 237; Urteil vom 31.08.1995 – 4 StR 283/​95, BGHSt 41, 231, 239[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 15.12 1967 – 4 StR 441/​67, BGHSt 22, 67, 74; Ern­e­mann in SSWStGB, 4. Aufl., § 315b Rn. 18[]