Gefähr­li­cher Ein­griff in den Stra­ßen­ver­kehr – und sei­ne Voll­endung

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs liegt ein voll­ende­ter gefähr­li­cher Ein­griff in den Stra­ßen­ver­kehr im Sin­ne des § 315b Abs. 1 StGB erst dann vor, wenn durch eine der in § 315b Abs. 1 Nr. 1 bis 3 StGB genann­ten Tat­hand­lun­gen eine Beein­träch­ti­gung der Sicher­heit des Stra­ßen­ver­kehrs her­bei­ge­führt wor­den ist und sich die­se abs­trak­te Gefah­ren­la­ge zu einer kon­kre­ten Gefähr­dung von Leib und Leben eines ande­ren Men­schen oder frem­der Sachen von bedeu­ten­dem Wert ver­dich­tet hat [1].

Gefähr­li­cher Ein­griff in den Stra­ßen­ver­kehr – und sei­ne Voll­endung

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall führ­ten die Ange­klag­ten nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts als Fah­rer ver­schie­de­ner Kraft­fahr­zeu­ge absicht­lich ins­ge­samt neun Ver­kehrs­un­fäl­le her­bei und mach­ten im Anschluss gegen­über den geg­ne­ri­schen Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen unbe­rech­tig­te Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gel­tend, um sich dadurch eine nicht nur vor­über­ge­hen­de und nicht ganz uner­heb­li­che Ein­nah­me­quel­le zu ver­schaf­fen. Zum Beleg der Vor­aus­set­zun­gen des gefähr­li­chen Ein­griffs in den Stra­ßen­ver­kehr in ins­ge­samt sie­ben Fäl­len teilt die Straf­kam­mer in den Urteils­grün­den den jewei­li­gen Anschaf­fungs- bzw. Zeit­wert des Fahr­zeugs des Unfall­geg­ners sowie, auf­ge­schlüs­selt nach ein­zel­nen Scha­dens­po­si­tio­nen, die Beträ­ge mit, die die Ange­klag­ten mit Anwalts­schrei­ben bei den geg­ne­ri­schen Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen gel­tend mach­ten und wel­che Sum­men sie letzt­lich aus­ge­zahlt erhiel­ten. Dar­aus sowie aus den Fest­stel­lun­gen zum jewei­li­gen Unfall­her­gang fol­gert das Land­ge­richt, in den betref­fen­den Fäl­len sei­en schon des­halb frem­de Sachen von bedeu­ten­dem Wert, näm­lich in der vom Bun­des­ge­richts­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung ange­nom­me­nen Min­dest­hö­he von 750,00 € [2] gefähr­det wor­den, weil es im Zuge der jewei­li­gen Vor­fäl­le tat­säch­lich zu Kol­li­sio­nen zwi­schen den betei­lig­ten Kraft­fahr­zeu­gen gekom­men sei. Fest­stel­lun­gen zu den jeweils kon­kret ein­ge­tre­te­nen Fremd­schä­den wer­den in den Urteils­grün­den indes nicht mit­ge­teilt. Die­se und die kon­kre­te Gefahr wei­te­rer Schä­den las­sen sich auch dem Gesamt­zu­sam­men­hang der Schil­de­rung der jewei­li­gen Kol­li­sio­nen und dem jeweils mit­ge­teil­ten Scha­dens­bild nicht hin­rei­chend sicher ent­neh­men.

Die Sache bedarf daher inso­weit neu­er Prü­fung durch den Tatrich­ter, der auch über die Gesamt­stra­fe neu zu befin­den haben wird. Da sich der durch­grei­fen­de Rechts­feh­ler auf die Fest­stel­lun­gen zur kon­kre­ten Gefähr­dung frem­der Sachen von bedeu­ten­dem Wert beschränkt, hat der Bun­des­ge­richts­hof die übri­gen Urteils­fest­stel­lun­gen auf­recht erhal­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Sep­tem­ber 2014 – 4 StR 251/​14

  1. BGH, Urteil vom 04.12 2002 – 4 StR 103/​02, BGHSt 48, 119, 122; BGH, Beschlüs­se vom 25.04.2012 – 4 StR 667/​11, NStZ 2012, 700, 701; und vom 18.06.2013 – 4 StR 145/​13, Rn. 7; SSW-StGB/Er­n­e­mann, 2. Aufl., § 315b Rn. 5, 17[]
  2. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 28.09.2010 – 4 StR 245/​10, BGHR StGB § 315b Abs. 1 Gefähr­dung 5[]