Gefan­ge­nen­post in Runen­schrift

Wird Gefan­ge­nen­post (teil­wei­se) in Runen­schrift ver­fasst, kann der Anhal­te­grund des § 31 Abs. 1 Nr. 6 StVoll­zG vor­lie­gen, weil der inkri­mi­nier­te Brief wegen der Ver­wen­dung von Runen teil­wei­se "unles­bar" war.

Gefan­ge­nen­post in Runen­schrift

Nach wel­chen Kri­te­ri­en sich die Les­bar­keit eines Schrei­bens beur­teilt, ist im Gesetz nicht gere­gelt. Ver­bind­li­che Vor­schrif­ten dar­über, wel­che Schrift­art im Schrift­ver­kehr zu ver­wen­den ist, exis­tie­ren in Deutsch­land nicht. Es fin­den sich nur Rege­lun­gen der Bun­des­län­der dar­über, wel­che Schrif­ten im schu­li­schen Schreib­un­ter­richt gelehrt wer­den. Dies sind nach heu­ti­gem Stand die Druck­schrift als Erst­schrift sowie die Latei­ni­sche Aus­gangs­schrift und die Ver­ein­fach­te Aus­gangs­schrift als wei­te­re Schrif­ten. Was hier­nach im All­ge­mei­nen als "les­bar" ange­se­hen wird, ist somit davon abhän­gig, wel­che Schrif­ten der Bevöl­ke­rungs­durch­schnitt in der Schu­le zu lesen gelernt hat und wie "form­klar" die­se Schrift dann vom jewei­li­gen Ver­fas­ser in der Aus­prä­gung sei­ner per­sön­li­chen Hand­schrift ver­wen­det wird 1. Es ist all­ge­mein­kun­dig, dass die Runen­schrift vom Bevöl­ke­rungs­durch­schnitt im Schreib­un­ter­richt in der Schu­le nicht erlernt wird; und vom all­ge­mei­nen Bevöl­ke­rungs­durch­schnitt daher auch nicht beherrscht wird. Dem­entspre­chend ist sie (anders als – gegen­wär­tig noch – die Süt­ter­lin­schrift) 2 als unles­bar ein­zu­stu­fen.

Ob die Runen­schrift dazu auch eine Geheim­schrift ist, kann das Ober­lan­des­ge­richt dahin­ste­hen las­sen. Dage­gen spricht aber, sofern es sich um die blo­ße Ver­wen­dung des nor­ma­len Runen­al­pha­bets han­delt, dass die­ses anhand all­ge­mein zugäng­li­cher Quel­len erlernt bzw. ent­zif­fert wer­den kann.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist es nicht ermes­sens­feh­ler­haft, wenn die Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt das Schrei­ben ins­ge­samt anhält, da nicht geprüft wer­den kann, ob es in dem unles­ba­ren Teil inkri­mi­nier­te Inhal­te ent­hält. Wegen der teil­wei­sen Unles­bar­keit kann auch nicht fest­ge­stellt wer­den, ob eine teil­wei­se Wei­ter­lei­tung (etwa in Form einer Teil­ko­pie) als mil­de­res Mit­tel sich nicht sinn­ent­stel­lend auf das Gesamt­schrei­ben aus­wirkt und den Inhalt ins­ge­samt ver­fäl­schen könn­te. Ein sol­ches Vor­ge­hen schied daher aus.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 21. August 2014 – 1 Vollz (Ws) 379/​14

  1. OLG Cel­le, Beschluss vom 19.05.2009 – 1 Ws 248/​09[]
  2. vgl.OLG Cel­le a.a.O.[]