Geld­fäl­schung – von der Her­stel­lung bis zur Ver­wen­dung des Falsch­gelds

Die Vor­be­rei­tungs­hand­lung des Her­stel­lens (§ 146 Abs. 1 Nr. 1 StGB) geht – eben­so wie die des Sich­ver­schaf­fens, § 146 Abs. 1 Nr. 2 StGB – im Fal­le eines sich plan­mä­ßig anschlie­ßen­den Inver­kehr­brin­gens regel­mä­ßig im Tat­be­stand des § 146 Abs. 1 Nr. 3 StGB zu einer ein­zi­gen Tat auf1. Mit dem Inver­kehr­brin­gen been­det der Täter sei­ne Tat.

Geld­fäl­schung – von der Her­stel­lung bis zur Ver­wen­dung des Falsch­gelds

Die Hand­lun­gen nach § 146 Abs. 1 Nr. 1 StGB und das sodann erfolg­te Inver­kehr­brin­gen bil­den eine delik­ti­sche Ein­heit und stel­len dem­entspre­chend nur ein ein­zi­ges Geld­fäl­schungs­de­likt nach § 146 Abs. 1 StGB dar2. Dies gilt auch in Kon­stel­la­tio­nen, in denen das Inver­kehr­brin­gen im Ver­suchs­sta­di­um ste­cken­bleibt3.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kommt es für die Fra­ge, in wie vie­len recht­lich selb­stän­di­gen Fäl­len der Täter bei meh­re­ren Absatz­ge­schäf­ten jeweils den Tat­be­stand der Geld­fäl­schung ver­wirk­licht, ent­schei­dend auf die Zahl der die­sen zu Grun­de lie­gen­den ein­heit­lich zu bewer­ten­den Her­stel­lungs­o­der Erwerbs­vor­gän­ge an4. Ver­schafft sich der Täter durch eine ein­heit­li­che Hand­lung Falsch­geld, um die­ses im Anschluss ent­we­der bei güns­ti­ger Gele­gen­heit oder an bereits fest­ste­hen­de Abneh­mer abzu­set­zen, so liegt auch dann nur eine Tat im Sin­ne des § 146 Abs. 1 Nr. 3 StGB vor, wenn das Inver­kehr­brin­gen in meh­re­ren Ein­zel­ak­ten geschieht5. Maß­ge­bend ist inso­weit, dass der Täter sich das Geld bereits in der Absicht ver­schafft hat, die­ses spä­ter abzu­set­zen, und er die­se Absicht sodann ver­wirk­licht6.

Hat sich der Täter dem­ge­gen­über in einem jeweils selb­stän­di­gen Erwerbs­vor­gang meh­re­re Falsch­geld­men­gen ver­schafft, liegt Tat­mehr­heit selbst dann vor, wenn Teil­men­gen dar­aus an den glei­chen Abneh­mer gelie­fert wer­den sol­len7.

Dem­entspre­chend kann wie­der­hol­tes und daher auch gewerbs­mä­ßi­ges Han­deln vor­lie­gen, wenn der Täter beab­sich­tigt, sich durch mehr­fa­ches Sich­ver­schaf­fen von Falsch­geld und des­sen Inver­kehr­brin­gen eine Ein­nah­me­quel­le zu erschlie­ßen8. Für das in der ent­spre­chen­den Absicht erfolg­te wie­der­hol­te Her­stel­len von Falsch­geld gilt nichts ande­res9.

Allein der Erwerb des Bas­tel­sets in der Absicht, damit Geld­schei­ne im mög­li­chen Umfang her­zu­stel­len und in Ver­kehr zu brin­gen, kann die Annah­me von Tat­ein­heit nicht begrün­den.

Soweit die Straf­kam­mer offen­lässt, „wann genau die sicher­ge­stell­ten Schei­ne tat­säch­lich gefer­tigt wor­den sind” ist nicht ersicht­lich, dass sie – unter Anwen­dung des Zwei­fel­sat­zes – davon aus­geht, der Ange­klag­te habe die vier nach­ge­mach­ten Ein­hun­der­t­Eu­ro­Schei­ne ein­heit­lich als Gesamt­men­ge her­ge­stellt. Denn die Urteils­grün­de tei­len an ande­rer Stel­le die Absicht des Ange­klag­ten mit, die Geld­schei­ne „nach und nach” her­zu­stel­len, sowie des­sen Ein­las­sung „die Schei­ne (…) nach Bedarf” her­ge­stellt zu haben. Damit bleibt unklar, ob die Straf­kam­mer von einem als ein­heit­lich zu bewer­ten­den Her­stel­lungs­vor­gang aus­geht.

Tat­ein­heit liegt nach den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen auch nicht des­we­gen vor, weil der Ange­klag­te die sicher­ge­stell­ten Schei­ne mit­tels eines Bas­tel­sets her­ge­stellt hat, dass er zuvor erwor­ben hat­te und das Uten­si­li­en zur Her­stel­lung einer begrenz­ten Men­ge Falsch­geld ent­hielt. Die Auf­fas­sung, bei Annah­me von Tat­mehr­heit bestün­de ein Wer­tungs­wi­der­spruch zu Fäl­len, in denen der Täter Falsch­geld in einem Akt erwirbt, teilt der Bun­des­ge­richts­hof nicht.

Da im vor­lie­gen­den Fall das Bas­tel­set noch aus­zu­schnei­den­de, nur ein­sei­tig bedruck­te Papier­schei­ne ent­hielt, erlang­te der Ange­klag­te mit dem Bas­tel­set noch kein Falsch­geld10. Anders als das Erlan­gen eines Bün­dels Falsch­geld war der Erwerb des Bas­tel­sets ledig­lich eine Vor­be­rei­tungs­hand­lung zu den nach­fol­gend began­ge­nen Geld­fäl­schungs­de­lik­ten. Die Vor­be­rei­tungs­hand­lung ist für sich allein nicht geeig­net, Tat­ein­heit zu begrün­den11.

Auch die Absicht des Ange­klag­ten, „die Mög­lich­kei­ten zur Geld­fäl­schung aus dem Bas­tel­set voll­stän­dig umzu­set­zen”, begrün­det kei­ne Tat­ein­heit. Will ein Täter die Geld­schei­ne in Abhän­gig­keit von sei­nem Bedarf „nach und nach” her­stel­len, hat er also noch kei­ne irgend­wie bestimm­ten Vor­stel­lun­gen über den spä­te­ren Tat­ab­lauf, son­dern plant er spä­te­re Geld­fäl­schungs­hand­lun­gen allen­falls in all­ge­mei­nen Umris­sen, legt dies einen jeweils neu­en Tatent­schluss und die Annah­me von Tat­mehr­heit nahe12.

Eine ande­re Bewer­tung der Kon­kur­renz­fra­ge ergibt sich auch nicht dar­aus, dass das Beschaf­fen des Bas­tel­sets nach § 149 StGB straf­bar ist. Die Vor­be­rei­tung ist nach § 149 Abs. 1 StGB als blo­ßer Ver­ge­hens­tat­be­stand nicht geeig­net, die den Ver­bre­chens­tat­be­stand des § 146 Abs. 1 StGB ein­zeln erfül­len­den Tat­hand­lun­gen zu einer Tat zu ver­klam­mern oder auf ande­re Wei­se zu ver­bin­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Juli 2019 – 2 StR 67/​19

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 12.08.1999 – 5 StR 269/​99 Rn. 4; vom 20.06.1986 – 1 StR 264/​86, NJW 1986, 2960 mwN
  2. Schönke/​Schröder/​SternbergLieben, aaO, § 146 Rn. 26
  3. Münch­Komm-StG­B/Erb, 3. Aufl., § 146 Rn. 56 mwN
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 09.03.2011 – 3 StR 51/​11, NStZ 2011, 516
  5. BGH, Beschlüs­se vom 01.09.2009 – 3 StR 601/​08, NJW 2009, 3798; vom 03.12 1998 – 4 StR 569/​98, NStZ-RR 2000, 105
  6. vgl. BGH, Urteil vom 22.11.2013 – 3 StR 162/​13 Rn. 30
  7. vgl. BGH, Urteil vom 16.06.2016 – 3 StR 2/​16, NStZ-RR 2016, 276, 277
  8. BGH, Beschluss vom 02.02.2011 – 2 StR 511/​10, NJW 2011, 1686 f. mwN
  9. BGH, Beschluss vom 16.05.2018 – 1 StR 151/​18
  10. vgl. BGH, Beschluss vom 25.10.1993 – 5 StR 568/​93, NStZ 1994, 124
  11. vgl. BGH, Urteil vom 11.09.1984 – 1 StR 408/​84 Rn. 3
  12. vgl. BGH, Beschluss vom 05.09.2018 – 2 StR 400/​17, Rn.20 [zu § 267 StGB]