Geld­stra­fe neben der zur Bewäh­rung aus­ge­setz­ten Frei­heits­stra­fe

Nach § 41 StGB kann dann, wenn der Täter sich durch die Tat berei­chert oder zu berei­chern ver­sucht hat, eine sonst nicht oder nur wahl­wei­se ange­droh­te Geld­stra­fe ver­hängt wer­den, wenn dies auch unter Berück­sich­ti­gung der per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Täters ange­bracht ist. Die Ver­hän­gung einer Geld­stra­fe neben einer Frei­heits­stra­fe darf dabei aller­dings nicht allein des­halb vor­ge­nom­men wer­den, um die an sich gebo­te­ne höhe­re Frei­heits­stra­fe auf ein Maß her­ab­set­zen zu kön­nen, das die Aus­set­zung der Voll­stre­ckung zur Bewäh­rung ermög­licht 1.

Geld­stra­fe neben der zur Bewäh­rung aus­ge­setz­ten Frei­heits­stra­fe

Ange­sichts ihres Aus­nah­me­cha­rak­ters 2 muss zwar die Nicht­an­wen­dung der Vor­schrift des § 41 StGB regel­mä­ßig nicht näher begrün­det wer­den, wohl aber die Kumu­la­ti­on von Geld­stra­fe und Frei­heits­stra­fe 3. Dabei sind zunächst die pflicht­ge­mä­ße Aus­übung des Ermes­sens und die Auf­spal­tung der Sank­ti­on in Frei­heits­und Geld­stra­fe zu begrün­den. Sodann hat in einem zwei­ten Schritt die wech­sel­sei­ti­ge Gewich­tung der als Frei­heits­stra­fe bzw. als Geld­stra­fe zu ver­hän­gen­den Tei­le des schuld­an­ge­mes­se­nen Straf­ma­ßes nach den Grund­sät­zen des § 46 StGB zu erfol­gen 4. Der Tatrich­ter darf die Frei­heits­stra­fe und die Geld­stra­fe so mit­ein­an­der ver­bin­den, dass die Frei­heits­stra­fe und die Geld­stra­fe zusam­men das Maß des Schuld­an­ge­mes­se­nen errei­chen. Dies gilt auch dann, wenn ohne die zusätz­li­che Geld­stra­fe eine nicht mehr aus­setz­ba­re Frei­heits­stra­fe erfor­der­lich wür­de 5.

Bei der Bemes­sung der Geld­stra­fe hat der Tatrich­ter zu beach­ten, dass der Schuld­grund­satz gebie­tet, bei der Ver­hän­gung von Geld­stra­fe neben einer Frei­heits­stra­fe das Gesamt­straf­ü­bel inner­halb des durch das Maß der Ein­zel­tat­schuld eröff­ne­ten Rah­mens fest­zu­le­gen. Die zusätz­li­che Geld­stra­fe muss des­halb bei der Bemes­sung der Frei­heits­stra­fe straf­mil­dernd berück­sich­tigt wer­den 6; § 41 StGB erlaubt kei­ne Zusatz­stra­fe 7. Im Hin­blick dar­auf, dass kei­ne unge­recht­fer­tig­te Begüns­ti­gung des Täters mit Berei­che­rungs­vor­satz gegen­über sons­ti­gen Tätern ein­tre­ten darf, sind auch wegen die­ses Zusam­men­hangs zwi­schen zusätz­li­cher Geld­stra­fe und Redu­zie­rung der Frei­heits­stra­fe bei der Prü­fung der Ver­hän­gung einer zusätz­li­chen Geld­stra­fe stren­ge Maß­stä­be anzu­le­gen 8. Bei der Zumes­sung von Geld­und Frei­heits­stra­fe dür­fen dabei weder Gesichts­punk­te der Straf­zu­mes­sung mit sol­chen der Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung ver­mengt wer­den noch dür­fen die in § 56 Abs. 1 und 2 StGB bestimm­ten Maxi­mal­wer­te für die Aus­setz­bar­keit von Frei­heits­stra­fe "auf kal­tem Wege" ange­ho­ben wer­den 9.

Das Erfor­der­nis einer ermes­sens­feh­ler­frei­en Anwen­dung des § 41 StGB betrifft nicht nur das "Ob" der Fest­set­zung einer geson­der­ten Geld­stra­fe, son­dern auch die Zumes­sung ihrer Höhe.

So fehl­te im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall rechts­feh­ler­haft eine Erör­te­rung sowohl hin­sicht­lich der Ein­zel­stra­fen als auch der Gesamt­stra­fen die Erör­te­rung der Rela­ti­on der Höhe der gemäß § 41 StGB ver­häng­ten Geld­stra­fe und der zur Gewähr­leis­tung eines schuld­an­ge­mes­se­nen Gesamt­straf­ü­bels des­we­gen ver­rin­ger­ten Frei­heits­stra­fe. Die­ser Erör­te­rung hät­te es hier bedurft, weil das Land­ge­richt gestützt auf die Aus­nah­me­vor­schrift des § 41 StGB im Ver­hält­nis zu den zuge­hö­ri­gen Frei­heits­stra­fen jeweils sehr hohe Geld­stra­fen ver­hängt hat. Ein­zel­frei­heits­stra­fen von neun Mona­ten bis zu einem Jahr und einem Monat ste­hen Ein­zel­geld­stra­fen von 100 Tages­sät­zen bis zu 220 Tages­sät­zen gegen­über. In Anbe­tracht des vor­lie­gend vom Land­ge­richt – aus­weis­lich der zuer­kann­ten Stra­fen – als schuld­an­ge­mes­sen erach­te­ten Gesamt­straf­ü­bels ver­steht es sich nicht von selbst, dass die dar­ge­stell­ten Grund­sät­ze der Straf­zu­mes­sung, die kei­ne unge­recht­fer­tig­te Begüns­ti­gung des Täters mit Berei­che­rungs­vor­satz gegen­über sons­ti­gen Tätern erlau­ben 10 Beach­tung gefun­den haben. Es hät­te inso­weit wei­te­rer Aus­füh­run­gen des Land­ge­richts bedurft, aus denen eine rechts­feh­ler­freie Ermes­sens­aus­übung bei Anwen­dung des § 41 StGB erkenn­bar wird.

Auf die­sem Rechts­feh­ler beruht das Urteil. Ins­be­son­de­re kann der Bun­des­ge­richts­hof nicht aus­schlie­ßen, dass das Land­ge­richt ohne die­se eine Gesamt­frei­heits­stra­fe von mehr als zwei Jah­ren ver­hängt hät­te. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kommt bei Hin­ter­zie­hungs­be­trä­gen in Mil­lio­nen­hö­he eine aus­set­zungs­fä­hi­ge Frei­heits­stra­fe nur bei Vor­lie­gen beson­ders gewich­ti­ger Mil­de­rungs­grün­de in Betracht 11.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. März 2019 – 1 StR 367/​18

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 02.12 2004 – 3 StR 246/​04, wis­tra 2005, 137 f.; vom 21.03.1985 – 4 StR 53/​85, NJW 1985, 1719; und vom 24.08.1983 – 3 StR 89/​83, BGHSt 32, 60, 65[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 24.08.1983 – 3 StR 89/​83, BGHSt 32, 60, 65; und vom 28.04.1976 – 3 StR 8/​76, BGHSt 26, 325, 330 sowie Beschluss vom 26.11.2015 – 1 StR 389/​15, BGHR StGB § 41 Berei­che­rung 2[]
  3. BGH, Beschluss vom 14.03.2016 – 1 StR 337/​15 Rn. 30, BGHR StGB § 41 Geld­stra­fe 5[]
  4. vgl. Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke, 3. Aufl., § 41 Rn. 37; vgl. auch BGH aaO, BGHSt 32, 60, 67[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 17.09.1997 – 2 StR 317/​97, wis­tra 1998, 22; und vom 20.04.1999 – 5 StR 604/​98, wis­tra 1999, 300, 303[]
  6. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 24.08.1983 – 3 StR 89/​83, BGHSt 32, 60, 66 sowie Beschluss vom 26.11.2015 – 1 StR 389/​15 Rn. 7, BGHR StGB § 41 Berei­che­rung 2[]
  7. BGH, Beschluss vom 24.07.2014 – 3 StR 176/​14, BGHR StGB § 41 Geld­stra­fe 4[]
  8. vgl. Rad­tke aaO Rn. 34[]
  9. vgl. LK/​Häger, StGB, 12. Aufl., § 41 Rn. 23 sowie Horn, NStZ 1984, 77[]
  10. vgl. ins­be­son­de­re Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke, 3. Aufl., § 41 Rn. 34 mwN zur Recht­spre­chung[]
  11. vgl. BGH, Urtei­le vom 02.12 2008 – 1 StR 416/​08, BGHSt 53, 71, 86; und vom 07.02.2012 – 1 StR 525/​11, BGHSt 57, 123, 130 f.[]