Geld­trans­port beim Dro­gen­han­del

Der 3. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs beab­sich­tigt in Abwei­chung von der bis­he­ri­gen BGH-Recht­spre­chung zu ent­schei­den: "Weder das sowohl dem Trans­port des Kauf­gel­des für die ers­te als auch der Über­nah­me der wei­te­ren Betäu­bungs­mit­tel­men­ge die­nen­de Auf­su­chen des Lie­fe­ran­ten noch die Bezah­lung einer zuvor auf ‚Kom­mis­si­on‘ erhal­te­nen Betäu­bungs­mit­tel­men­ge bei Gele­gen­heit der Über­nah­me einer wei­te­ren Betäu­bungs­mit­tel­men­ge ver­bin­det die bei­den Umsatz­ge­schäf­te zu einer ein­heit­li­chen Tat im mate­ri­ell­recht­li­chen Sinn." 1. Die­ser Ansicht wider­spricht nun der 4. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs:

Geld­trans­port beim Dro­gen­han­del

Der beab­sich­tig­ten Ent­schei­dung des 3. Straf­se­nats steht Recht­spre­chung des 4. Straf­se­nats ent­ge­gen 2.

Der 4. Straf­se­nat hält an die­ser Recht­spre­chung fest. Zur Begrün­dung nimmt der 4. Straf­se­nat zunächst auf sei­nen Vor­le­gungs­be­schluss vom 22.05.2014 3 Bezug und bemerkt ergän­zend:

Aus­gangs­punkt der kon­kur­renz­recht­li­chen Bewer­tung beim Vor­lie­gen meh­re­rer Betäu­bungs­mit­tel­ge­schäf­te ist die vom Bun­des­ge­richts­hof seit dem Beschluss in stän­di­ger Recht­spre­chung vor­ge­nom­me­ne wei­te Aus­le­gung des Begriffs des Han­del­trei­bens im Sin­ne von § 29 BtMG 4. Da danach regel­mä­ßig alle Hand­lun­gen von der Anbah­nung des Rausch­gift­ge­schäfts bis zu des­sen finan­zi­el­ler Abwick­lung dem Tat­be­stands­merk­mal des Han­del­trei­bens unter­fal­len, ergibt sich dar­aus auch die Annah­me von Tat­ein­heit bei meh­re­ren Betäu­bungs­mit­tel­ge­schäf­ten, bei denen, wie im Fall des anfra­gen­den Bun­des­ge­richts­hofs, die Fahrt zum Betäu­bungs­mit­tel­lie­fe­ran­ten sowohl der Bezah­lung einer zuvor erhal­te­nen Betäu­bungs­mit­tel­men­ge durch den Täter als auch der Abho­lung der bereits bestell­ten wei­te­ren Betäu­bungs­mit­tel­men­ge dient. Auf­grund der teil­wei­sen Iden­ti­tät der Aus­füh­rungs­hand­lun­gen nimmt die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs dar­an anknüp­fend eine tat­ein­heit­li­che Ver­wirk­li­chung der Tat­be­ge­hun­gen an 5.

Ent­ge­gen der Ansicht des 3. Straf­se­nats kann es für die recht­li­che Beur­tei­lung des Kon­kur­renz­ver­hält­nis­ses, wie auch der 2. Straf­se­nat in sei­ner Ant­wort auf die Anfra­ge des 3. Straf­se­nats zutref­fend aus­ge­führt hat 6, auf das Gewicht und den Unwert­ge­halt der sich über­schnei­den­den Tat­hand­lun­gen nicht ankom­men. Die vom anfra­gen­den Bun­des­ge­richts­hof zu beur­tei­len­de Fall­kon­stel­la­ti­on ist auf Grund des wei­ten Begriffs des Han­del­trei­bens im Betäu­bungs­mit­tel­recht durch eine Tei­li­den­ti­tät der Aus­füh­rungs­hand­lun­gen cha­rak­te­ri­siert, die über eine blo­ße Gleich­zei­tig­keit der Gesche­hens­ab­läu­fe hin­aus­geht, wes­halb der ein­deu­ti­ge Wort­laut von § 52 Abs. 1 StGB hier der Annah­me von Tat­mehr­heit ent­ge­gen­steht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Sep­tem­ber 2016 – 4 ARs 21/​15

  1. BGH, Anfra­geeschluss vom 03.09.2015 – 3 StR 236/​15[]
  2. BGH, Urteil vom 25.04.2013 – 4 StR 418/​12, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Kon­kur­ren­zen 14; Beschlüs­se vom 02.07.2014 – 4 StR 188/​14; vom 13.01.2016 – 4 StR 322/​15, NStZ 2016, 420; und vom 13.09.2016 – 4 StR 304/​16[]
  3. BGH, Beschluss vom 22.05.2014 – 4 StR 223/​13[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 26.10.2005 – GSSt 1/​05, BGHSt 50, 252 ff.[]
  5. vgl. BGH, jeweils aaO; vgl. auch BGH, Beschluss vom 09.12 2014 – 2 StR 381/​14[]
  6. BGH, Beschluss vom 31.05.2016 – 2 ARs 403/​15[]