Geld­wä­sche – und die Betei­li­gung an der Vor­tat

Der per­sön­li­che Straf­aus­schlie­ßungs­grund der Betei­li­gung an der Vor­tat gemäß § 261 Abs. 9 Satz 2 StGB steht einer Ver­ur­tei­lung wegen Geld­wä­sche nicht ent­ge­gen, wenn eine Ver­ur­tei­lung wegen der Vor­tat aus­schei­det.

Geld­wä­sche – und die Betei­li­gung an der Vor­tat

Mit Strei­chung des Zusat­zes "eines ande­ren" als ein­schrän­ken­dem Erfor­der­nis für eine Vor­tat hat der Gesetz­ge­ber im Jahr 1998 den Tat­be­stand der Geld­wä­sche gemäß § 261 StGB so geän­dert (Art. 1 Nr. 2 und 5 des Geset­zes zur Ver­bes­se­rung der Orga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät vom 04.05.1998, BGBl. I S. 845), dass er auch Hand­lun­gen der Geld­wä­sche erfasst, die der Selbst­be­güns­ti­gung die­nen.

Um in Fäl­len, in denen sowohl die Vor­tat als auch die nach­fol­gen­de Geld­wä­sche­hand­lung nach­ge­wie­sen wer­den kann, eine Dop­pel­be­stra­fung zu ver­mei­den, hat der Gesetz­ge­ber gleich­zei­tig in § 261 Abs. 9 Satz 2 StGB einen per­sön­li­chen Straf­aus­schlie­ßungs­grund für die Straf­bar­keit wegen Geld­wä­sche geschaf­fen, der auf dem Gedan­ken der mit­be­straf­ten Nach­tat beruht 1. Die­ser Straf­aus­schlie­ßungs­grund greift jedoch nur dann ein, wenn die Betei­li­gung an der Vor­tat sicher fest­ge­stellt wer­den kann 2.

Dar­an fehlt es, wenn das Tat­ge­richt zwar vom Vor­lie­gen einer Vor­tat aus­geht, die­se sich aber nicht hin­rei­chend kon­kre­ti­sie­ren lässt und der Täter des­halb inso­weit nicht ver­ur­teilt wer­den kann 3. Denn auch dann droht dem Täter kei­ne Dop­pel­be­stra­fung wegen Betei­li­gung an der Vor­tat und anschlie­ßen­der Geld­wä­sche zur Selbst­be­güns­ti­gung.

Ergän­zend weist der Bun­des­ge­richts­hof dar­auf hin, dass eine Bestra­fung nach dem Auf­fang­tat­be­stand 4 des § 261 Abs. 2 StGB nur dann in Betracht kommt, wenn und soweit eine – etwa wegen Gefähr­dung der Sicher­stel­lung des inkri­mi­nier­ten Gegen­stan­des 5 in Betracht kom­men­de – Ver­ur­tei­lung gemäß § 261 Abs. 1 StGB nicht erfol­gen kann.

Soweit aber, etwa durch Ver­mi­schung inkri­mi­nier­ter Geld­be­trä­ge mit "lega­len" Geld­mit­teln, ein neu­er Gegen­stand ent­stan­den ist, der aus einer Kata­log­tat im Sin­ne von § 261 Abs. 1 Satz 2 StGB her­rührt und nicht von den Tat­be­stands­va­ri­an­ten des § 261 Abs. 1 Satz 1 StGB erfasst wird, besteht die­ser Vor­rang nicht. Der neue Tatrich­ter wird daher auf­grund der neu zu tref­fen­den Fest­stel­lun­gen gege­be­nen­falls sowohl die Tat­be­stands­va­ri­an­ten aus Absatz 1 als auch die aus Absatz 2 des § 261 StGB in den Blick zu neh­men haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Juli 2016 – 1 StR 595/​15

  1. BT-Drs. 13/​8651 S. 11; vgl. dazu Neu­heu­ser, NZWiSt 2016, 265[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 26.08.2005 – 2 StR 225/​05, BGHSt 50, 224, 230[]
  3. vgl. auch Eschel­bach in Graf/​Jäger/​Wittig, Wirt­schafts- und Steu­er­straf­recht, § 261 StGB Rn. 73; Neu­heu­ser in Münch­Komm-StGB, 2. Aufl., § 261 Rn. 112[]
  4. vgl. BT-Drs.12/3533 S. 13[]
  5. vgl. OLG Frank­furt, Beschluss vom 10.03.2005 – 2 Ws 66/​04, NJW 2005, 1727, 1733[]
  6. BGH, Beschluss vom 30.09.1981 – IVb ZR 694/​80, NJW 1982, 446[]