Geld­wä­sche – Ver­wah­ren und Ver­wen­den auf dem Giro­kon­to

"Ver­wah­ren" im Sin­ne von § 261 Abs. 2 Nr. 2 StGB bedeu­tet, einen geld­wä­schetaug­li­chen Gegen­stand in Gewahr­sam zu neh­men oder zu hal­ten, um ihn für einen Drit­ten oder für eige­ne spä­te­re Ver­wen­dung zu erhal­ten 1.

Geld­wä­sche – Ver­wah­ren und Ver­wen­den auf dem Giro­kon­to

Dar­un­ter ist bei Sachen die bewuss­te Aus­übung der tat­säch­li­chen Sach­herr­schaft zu ver­ste­hen 2.

Taug­li­che Tat­ob­jek­te der Geld­wä­sche sind aber nicht nur Sachen, son­dern alle Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de, also auch For­de­run­gen und sons­ti­ge Rech­te 3.

Für das Ver­wah­ren von For­de­run­gen (Buch­geld) kommt es dabei dar­auf an, ob der Täter eine der unmit­tel­ba­ren Sach­herr­schaft ent­spre­chen­de tat­säch­li­che Ver­fü­gungs­ge­walt über die For­de­rung hat 4.

Bei Kon­ten genügt hier­für das allei­ni­ge Recht des Kon­to­in­ha­bers, über das Geld zu ver­fü­gen 5.

Unter das Tat­be­stands­merk­mal "Ver­wen­den" fällt jeder bestim­mungs­ge­mä­ße Gebrauch des inkri­mi­nier­ten Gegen­stan­des 6.

Erfasst wer­den daher bei Bar­geld oder Buch­geld Geld­ge­schäf­te aller Art 7, bei Kon­ten mit­hin auch Ver­fü­gun­gen über das jewei­li­ge Gut­ha­ben auf dem Kon­to in Gestalt des Täti­gens von Über­wei­sun­gen 8.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs wird die Geld­wä­schetaug­lich­keit eines Gegen­stan­des nicht dadurch auf­ge­ho­ben, dass er mit lega­len Finanz­mit­teln ver­mengt oder ver­mischt wird 9.

Damit ist das jeden­falls zum Teil aus Kata­log­ta­ten der Geld­wä­sche (§ 261 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 StGB) und im Übri­gen aus lega­len Quel­len stam­men­de Buch­geld ins­ge­samt ein aus Straf­ta­ten nach § 261 Abs. 1 Satz 2 StGB her­rüh­ren­der und damit geld­wä­schetaug­li­cher Gegen­stand. In Fäl­len der Ver­mi­schung ist dies ledig­lich dann nicht der Fall, wenn der aus Vor­ta­ten her­rüh­ren­de Anteil bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung völ­lig uner­heb­lich ist 10.

Die Nut­zung der eige­nen Kon­ten für die aus Kata­log­ta­ten stam­men­den Geld­be­trä­ge sowie die vor­ge­nom­me­nen Abhe­bun­gen und Über­wei­sun­gen kom­men als Tat­hand­lun­gen einer Geld­wä­sche in Betracht. Denn wer einen Gegen­stand, der aus einer Kata­log­tat im Sin­ne von § 261 Abs. 1 Satz 2 StGB her­rührt, min­des­tens vor­über­ge­hend auf sei­nem Kon­to belässt, ver­wahrt ihn im Sin­ne von § 261 Abs. 2 Nr. 2 StGB 11.

Bei Aus­zah­lun­gen setzt sich das Ver­wah­ren an dem abge­ho­be­nen Geld­be­trag, an dem der Kon­to­in­ha­ber Sach­herr­schaft hat, fort. Vor­ge­nom­me­ne Über­wei­sun­gen kön­nen die Tat­be­stands­va­ri­an­te des "Ver­wen­dens" erfül­len 12. Recht­lich sind die­se Hand­lun­gen als natür­li­che Hand­lungs­ein­heit zu wer­ten 13.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Juli 2016 – 1 StR 595/​15

  1. vgl. Eschel­bach in Graf/​Jäger/​Wittig, Wirt­schafts- und Steu­er­straf­recht, § 261 StGB Rn. 53; Ruh­mann­se­der in Beck­OK-StGB [Stand: 1.06.2016] § 261 Rn. 32; jeweils mwN; vgl. auch OLG Frank­furt, Beschluss vom 10.03.2005 – 2 Ws 66/​04, NJW 2005, 1727, 1733[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 26.01.2012 – 5 StR 461/​11, NStZ 2012, 321; BGH, Urteil vom 19.12 2012 – – VIII ZR 302/​11, NJW 2013, 1158[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 19.12 2012 – – VIII ZR 302/​11, NJW 2013, 1158; Stree/​Hecker in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 261 Rn. 4[]
  4. BGH aaO NJW 2013, 1158[]
  5. vgl. Neu­heu­ser, NStZ 2008, 492, 496 mwN; ders. in Münch­Komm-StGB, 2. Aufl., § 261 Rn. 69[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 20.05.2015 – 1 StR 33/​15, NZWiSt 2016, 157, 158; Fischer, StGB, 63. Aufl., § 261 Rn. 26; Neu­heu­ser aaO; Ruh­mann­se­der aaO Rn. 33[]
  7. vgl. BT-Drs. 12/​989 S. 27; Eschel­bach in Graf/​Jäger/​Wittig, Wirt­schafts- und Steu­er­straf­recht, § 261 StGB Rn. 53 mwN[]
  8. vgl. BGH aaO, NZWiSt 2016, 157, 158[]
  9. vgl. BGH, Beschluss vom 20.05.2015 – 1 StR 33/​15, NZWiSt 2016, 157[]
  10. vgl. BGH aaO[]
  11. vgl. Neu­heu­ser, NStZ 2008, 492, 496[]
  12. vgl. Neu­heu­ser aaO mwN[]
  13. vgl. Neu­heu­ser aaO[]