Gemein­schaft­li­che Ver­ge­wal­ti­gung

Eine gemein­schaft­li­che Bege­hung der Ver­ge­wal­ti­gung nach § 177 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 StGB aF, der § 177 Abs. 6 Satz 2 Nr. 2 StGB nF ent­spricht, setzt ein akti­ves Zusam­men­wir­ken von min­des­tens zwei Per­so­nen als Täter vor­aus.

Gemein­schaft­li­che Ver­ge­wal­ti­gung

Nach § 177 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 StGB aF ist das Regel­bei­spiel eines beson­ders schwe­ren Fal­les der sexu­el­len Nöti­gung erfüllt, wenn die Tat von meh­re­ren gemein­schaft­lich began­gen wird.

Die Norm wur­de durch das 33. Straf­rechts­än­de­rungs­ge­setz vom 01.07.1997 in das Straf­ge­setz­buch ein­ge­führt. Nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers soll straf­schär­fend wir­ken, dass bei der Mit­wir­kung meh­re­rer Per­so­nen die Abwehr­chan­cen des Opfers gerin­ger sind und es in sol­chen Fäl­len regel­mä­ßig zu beson­ders mas­si­ven sexu­el­len Hand­lun­gen kommt 1.

Der Wort­laut der Vor­schrift und dabei ins­be­son­de­re der Aus­druck "gemein­schaft­lich" nimmt Bezug auf die Rege­lung zur Mit­tä­ter­schaft in § 25 Abs. 2 StGB. Auch der Ver­gleich zu einer­seits § 176a Abs. 2 Nr. 2 StGB und ande­rer­seits § 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB, die bei­de durch das Sechs­te Straf­rechts­re­form­ge­setz vom 26.01.1998 geschaf­fen wur­den, belegt, dass für die Bege­hung des § 177 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 StGB aF Täter­schaft erfor­der­lich ist und sons­ti­ge For­men der Teil­nah­me nicht aus­rei­chen.

Anders als in § 177 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 StGB aF und § 176a Abs. 2 Nr. 2 StGB, die in glei­cher Wei­se ledig­lich auf die "von meh­re­ren" gemein­schaft­lich began­ge­ne Tat abstel­len, ist in § 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB gere­gelt, dass die Tat "mit einem ande­ren Betei­lig­ten" gemein­schaft­lich began­gen wird.

Damit unter­schei­det sich der Wort­laut der Nor­men maß­geb­lich. Ins­be­son­de­re aus die­sem Grund lässt die Recht­spre­chung bei § 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB das gemein­sa­me Wir­ken eines Täters und eines Gehil­fen bei der Bege­hung einer Kör­per­ver­let­zung genü­gen 2, wäh­rend sie bei § 176a Abs. 2 Nr. 2 StGB ein jeweils täter­schaft­li­ches Ver­hal­ten ver­langt 3.

Vor dem Hin­ter­grund des inso­weit iden­ti­schen Wort­lauts besteht kein Anlass, hier­von bei der Aus­le­gung des § 177 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 StGB aF abzu­wei­chen 4.

BGh, Beschluss vom 10. Janu­ar 2017 – 3 StR 278/​16

  1. BT-Drs. 13/​2463, S. 7[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 03.09.2002 – 5 StR 210/​02, BGHSt 47, 383, 386[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 10.10.2013 – 4 StR 258/​13, BGHSt 59, 28, 32[]
  4. im Ergeb­nis eben­so Ren­zi­kow­ski NStZ 1999, 377, 382; S/​S‑Eisele, StGB, 29. Aufl., § 177 Rn. 24; Fischer, StGB, 64. Aufl., § 177 Rn. 157; Münch­Komm-StG­B/­Ren­zi­kow­ski, 3. Aufl., § 177 Rn. 74; aA LK/​Hörnle, StGB, 12. Aufl., § 177 Rn. 225[]