Gerichts­be­kann­te Erkennt­nis­se aus einem Par­ral­lel­ver­fah­ren

Der Tatrich­ter darf sei­ner Ent­schei­dung über die Schuld- und Straf­fra­ge nur die Erkennt­nis­se zugrun­de legen, die er in der Haupt­ver­hand­lung nach den Regeln des Streng­be­wei­ses gewon­nen hat. Dies schließt es grund­sätz­lich aus, außer­halb der Haupt­ver­hand­lung erlang­tes Wis­sen ohne förm­li­che Beweis­erhe­bung zum Nach­teil des Ange­klag­ten zu ver­wer­ten 1.

Gerichts­be­kann­te Erkennt­nis­se aus einem Par­ral­lel­ver­fah­ren

Eine Aus­nah­me kann für gerichts­kun­di­ge Tat­sa­chen gel­ten, wenn – was das Revi­si­ons­ge­richt im Zwei­fel frei­be­weis­lich nach­prüft – in der Haupt­ver­hand­lung dar­auf hin­ge­wie­sen wur­de, dass sie der Ent­schei­dung als offen­kun­dig zugrun­de gelegt wer­den könn­ten. Dies ist erfor­der­lich, um den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten recht­li­ches Gehör zu gewäh­ren 2.

Auf den Ein­zel­fall bezo­ge­ne Wahr­neh­mun­gen über Tat­sa­chen, die unmit­tel­bar für Merk­ma­le des äuße­ren und inne­ren Tat­be­stan­des erheb­lich oder mit­tel­bar für die Über­füh­rung des Ange­klag­ten von wesent­li­cher Bedeu­tung sind, dür­fen nicht als gerichts­kun­dig behan­delt wer­den 3.

Nach die­sen Maß­stä­ben konn­ten die nicht ander­wei­tig ein­ge­führ­ten Erkennt­nis­se zum Wirk­stoff­ge­halt der beim geson­dert Ver­folg­ten F. sicher­ge­stell­ten Betäu­bungs­mit­tel, die der geson­dert Ver­folg­te B. zuvor beim Ange­klag­ten erwor­ben hat­te, nicht – wie gesche­hen – als gerichts­kun­dig ver­wer­tet wer­den. Denn der Wirk­stoff­ge­halt war für die Fra­ge, ob der Ange­klag­te mit Betäu­bungs­mit­tel in nicht gerin­ger Men­ge Han­del getrie­ben hat, unmit­tel­bar erheb­lich.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Sep­tem­ber 2015 – 2 StR 126/​15

  1. vgl. BGHSt 19, 193, 195, 45, 354, 357; BGH NStZ 2013, 367[]
  2. vgl. BGHSt 36, 354, 359; BGH NStZ 2013, 121 u. 357[]
  3. vgl. BGHSt 45, 354, 358 f.; 47, 270, 274; BGH NStZ-RR 2007, 116, 117[]