Geschei­ter­te Ver­stän­di­gungs­ge­sprä­che mit der Staats­an­walts­schaft

Gesprä­che zwi­schen der Ver­tei­di­gung und der Staats­an­walt­schaft, an denen das Gericht nicht betei­ligt war, fal­len nicht in den Rege­lungs­be­reich des § 243 Abs. 4 StPO. Das gilt auch, wenn die Anre­gung hier­zu vom Gericht aus­ging.

Geschei­ter­te Ver­stän­di­gungs­ge­sprä­che mit der Staats­an­walts­schaft

In dem hier ent­schie­de­nen Fall bat die Ver­tei­di­gung am 5. Haupt­ver­hand­lungs­tag um ein Ver­stän­di­gungs­ge­spräch. Der Vor­sit­zen­de stell­te dar­auf­hin anheim, das Gespräch und eine Über­ein­stim­mung mit der Staats­an­walt­schaft zu suchen, der sich gege­be­nen­falls die Straf­kam­mer anschlie­ßen wür­de. In einem nach­fol­gen­den Gespräch mit den Ver­tei­di­gern lehn­te der Sit­zungs­ver­tre­ter der Staats­an­walt­schaft die Mit­wir­kung an einer Ver­stän­di­gung ab.

Hier­über muss­te der Straf­kam­mer­vor­sit­zen­de in der Haupt­ver­hand­lung kei­ne Mit­tei­lung machen, befand nun der Bun­des­ge­richts­hof. Weder die Anre­gung des Vor­sit­zen­den gegen­über dem Ver­tei­di­ger noch die Gesprä­che zwi­schen der Ver­tei­di­gung und der Staats­an­walt­schaft, an denen das Gericht nicht betei­ligt war, fal­len in den Rege­lungs­be­reich des § 243 Abs. 4 StPO.

Dies ergibt sich für den Bun­des­ge­richts­hof aus dem Wort­laut und der Sys­te­ma­tik des Geset­zes. Erör­te­run­gen zum Ver­fah­rens­stand sind, gleich ob sie von der Staats­an­walt­schaft (§ 160b StPO) oder vom Gericht (§§ 202a, 212 StPO) geführt wer­den, mit ihrem wesent­li­chen Inhalt akten­kun­dig zu machen.

Nur Erör­te­run­gen des Gerichts mit den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten – und auch die­se nur, sofern sie einen Ver­ständ­nis­be­zug hat­ten – müs­sen in der Haupt­ver­hand­lung näher 1 mit­ge­teilt wer­den.

Für Gesprä­che zwi­schen Staats­an­walt­schaft und Ver­tei­di­gung ver­bleibt es bei der Pflicht zur Doku­men­ta­ti­on in der Akte 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Sep­tem­ber 2015 – 3 StR 310/​15

  1. vgl. zum Umfang BVerfG, Urteil vom 19.03.2013 – 2 BvR 2628/​10, BVerfGE 133, 168, 216 f.[]
  2. so auch KK-Schnei­der, StPO, 7. Aufl., § 243 Rn. 36; eine Mit­tei­lungs­pflicht eher ableh­nend selbst für den Fall, dass das Gericht Kennt­nis vom Inhalt der Erör­te­run­gen erlangt hat: BGH, Beschluss vom 25.02.2015 – 5 StR 258/​13, NStZ 2015, 232 mwN; eben­so wohl BGH, Beschluss vom 29.01.2014 – 1 StR 523/​13, NStZ-RR 2014, 115[]