Geschwin­dig­keits­mes­sung mit dem Laser­mess­ge­rät und das „Vier-Augen-Prin­zip“

Ein „Vier-Augen-Prin­zip“, nach dem eine Geschwin­dig­keits­mes­sung mit dem Laser­mess­ge­rät Riegl FG 21‑P nur zur Grund­la­ge einer Ver­ur­tei­lung gemacht wer­den kann, wenn der vom Gerät ange­zeig­te Mess­wert und die Über­tra­gung die­ses Wer­tes in das Mess­pro­to­koll von einem zwei­ten Poli­zei­be­am­ten kon­trol­liert wor­den sind, exis­tiert jeden­falls in Baden-Würt­tem­berg.

Geschwin­dig­keits­mes­sung mit dem Laser­mess­ge­rät und das „Vier-Augen-Prin­zip“

Bei der Fest­stel­lung einer Geschwin­dig­keits­über­schrei­tung durch eine poli­zei­li­che Geschwin­dig­keits­mes­sung mit dem Laser­mess­ge­rät Riegl FG21‑P han­delt es sich um ein stan­dar­di­sier­tes Mess­ver­fah­ren im Sin­ne der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs und der Ober­lan­des­ge­rich­te. Bei der Mes­sung der Geschwin­dig­keit ist auch die Dienst­an­wei­sung des Innen­mi­nis­te­ri­ums Baden-Würt­tem­berg für Geschwin­dig­keits­mes­sun­gen mit Laser-Geschwin­dig­keits­hand­mess­ge­rä­ten (Stand: April 2010) zu beach­ten. In die­ser Dienst­an­wei­sung ist unter „Ein­satz und Bedie­nung des Gerä­tes“ u.a. Fol­gen­des ver­merkt:

„Die Gerä­te sind nach der Gebrauchs­an­wei­sung des Her­stel­lers, den Zulas­sungs­be­din­gun­gen der PTB und den ergän­zen­den Rege­lun­gen des Innen­mi­nis­te­ri­ums Baden-Würt­tem­berg zu hand­ha­ben. Bei wider­sprüch­li­chen Rege­lun­gen gel­ten die Regeln die­ser Dienst­an­wei­sung. Abwei­chun­gen von den vor­ge­ge­be­nen Mess­be­din­gun­gen im Mess­be­trieb stel­len ein Ver­fah­rens­hin­der­nis dar. …

Die Geschwin­dig­keits­mes­sun­gen sind grund­sätz­lich als Anhal­te­kon­trol­len mit min­des­tens zwei uni­for­mier­ten Beamten/​Beamtinnen (einem Messbeamten/​Messbeamtin und einem zwei­ten Beamten/​Beamtin) und als Ein­zel­mes­sun­gen durch­zu­füh­ren.

Das Mess­ergeb­nis muss immer von die­sen bei­den Beamten/​Beamtinnen abge­le­sen wer­den (Vier-Augen-Prin­zip). Der zwei­te Beam­te/​Beamtin muss nicht zwin­gend die Laser-Schu­lung absol­viert haben. Dies wird jedoch emp­foh­len.

Das aus dem Dis­play ange­zeig­te Geschwin­dig­keits­mess­ergeb­nis kann dem Betrof­fe­nen auf des­sen Wunsch gezeigt wer­den, soweit der Mess­be­trieb dadurch nicht beein­träch­tigt wird. …“

Das Vier-Augen-Prin­zip ist somit jeden­falls im Land Baden-Würt­tem­berg bei jeder Mes­sung mit dem Laser­mess­ge­rät Riegl FG21‑P zu beach­ten . Die Ober­lan­des­ge­rich­te Düs­sel­dorf [1] und Hamm [2] haben die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass bei der­ar­ti­gen Geschwin­dig­keits­mes­sun­gen kein Vier-Augen-Prin­zip gel­te. Dies ist jeden­falls für das Land Baden-Würt­tem­berg nicht zutref­fend. Das Prin­zip berück­sich­tigt die Tat­sa­che, dass bei die­sem Mess­ver­fah­ren kein Foto gefer­tigt wird, aus wel­chem die gemes­se­ne Geschwin­dig­keit abge­le­sen wer­den kann. Daher muss gewähr­leis­tet sein, dass der gemes­se­ne Wert rich­tig abge­le­sen und ins Mess­pro­to­koll ein­ge­tra­gen wird. Es dient somit dem Zweck, Able­se- und Über­tra­gungs­feh­ler zu ver­mei­den. Sowohl der Mess­be­am­te als auch der Beob­ach­ter müs­sen das Mess­ergeb­nis able­sen. Nach dem Ein­trag in das Mess­pro­to­koll müs­sen bei­de kon­trol­lie­ren, ob die Ein­tra­gung auch rich­tig erfolgt ist.

Amts­ge­richt Sig­ma­rin­gen, Urteil vom 12. Febru­ar 2013 – 5 OWi 15 Js 7112/​12

  1. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 13.09.2012 – IV‑2 RBs 129/​12 , DAR 2012, 646; und Beck­RS 2012,19400[]
  2. OLG Hamm, Beck­RS 2012, 18144 und 18145[]