Geschwin­dig­keits­über­schrei­tung um 85%

Eine fest­ge­stell­te Über­schrei­tung der zuläs­si­gen Höchst­ge­schwin­dig­keit um 86 % kann grund­sätz­lich als äußerst gewich­ti­ges Indiz für die Abgren­zung der Schuld­form ange­se­hen wer­den. Je höher sich näm­lich die Abwei­chung der gefah­re­nen von der zuläs­si­gen Geschwin­dig­keit dar­stellt, um so mehr drängt sich eine vor­sätz­li­che Tat­be­ge­hung auf.

Geschwin­dig­keits­über­schrei­tung um 85%

Bei der­art hohen (rela­ti­ven) Über­schrei­tun­gen der zuläs­si­gen Geschwin­dig­keit ist in der Regel von vor­sätz­li­chem Han­deln aus­zu­ge­hen. Die Annah­me fahr­läs­si­ger Über­schrei­tung ist dann näher zu begrün­den [1] und nicht die vor­sätz­li­che Bege­hungs­wei­se [2]. Der (älte­ren) Ent­schei­dung des OLG Karls­ru­he [3] liegt inso­fern schon ein ande­rer Sach­ver­halt zugrun­de, als dort eine Geschwin­dig­keits­über­schrei­tung von (nur) 48, 5 % fest­ge­stellt wur­de.

Gera­de die Kom­bi­na­ti­on aus Miss­ach­ten von meh­re­ren vor­an­ge­gan­ge­nen geschwin­dig­keits­be­schrän­ken­den Schil­dern und dem Maß der Über­schrei­tung der zuläs­si­gen Geschwin­dig­keit kann ein der­art hohes Indiz für die Fra­ge der Schuld­form gewin­nen, dass wei­te­re Umstän­de nicht mehr erfor­der­lich sind [4].

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 2. Juli 2012 – 4a Ss 380/​12

  1. Henschel/​König/​Dau­er, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 41. Auf­la­ge, § 3 StVO Rn. 56 m. w. N.[]
  2. KG VRS 107, 213[]
  3. OLG Karls­ru­he NStZ-RR 2006, 249[]
  4. OLG Düs­sel­dorf NStZ-RR 1996, 215/​216: „zwin­gend“ vor­sätz­li­che Ord­nungs­wid­rig­keit[]