Gewalt­schutz – und der Ver­stoß gegen die nicht zuge­stell­te Anord­nung

Das Tat­be­stands­merk­mal einer "voll­streck­ba­ren Anord­nung" in der Straf­vor­schrift des § 4 Satz 1 GewSchG setzt vor­aus, dass der Beschluss des Amts­ge­richts mit dem Kon­takt­ver­bot dem Antrags­geg­ner ent­we­der wirk­sam zuge­stellt 1 oder die Voll­streck­bar­keit der ergan­ge­nen einst­wei­li­gen Anord­nung ange­ord­net wor­den ist 2.

Gewalt­schutz – und der Ver­stoß gegen die nicht zuge­stell­te Anord­nung

Die blo­ße Kennt­nis des Antrags­geg­ners vom Inhalt der Anord­nung genügt nicht 3.

Aus dem Umstand, dass die Antrg­stel­le­rin am Tag des Erlas­ses der einst­wei­li­gen Anord­nung an einem Gerichts­ter­min teil­ge­nom­men hat und der Antrags­geg­ner ihr von dort in die vor­mals gemein­sa­me Woh­nung gefolgt ist, kann die "voll­streck­ba­re Anord­nung" im Sin­ne von § 4 Satz 1 GewSchG nicht abge­lei­tet wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Febru­ar 2016 – 1 StR 578/​15

  1. BGH, Urteil vom 15.03.2007 – 5 StR 536/​06, BGHSt 51, 257, 259 Rn. 10; BGH, Beschluss vom 10.05.2012 – 4 StR 122/​12, NStZ 2013, 108, 109; sie­he auch BGH, Beschluss vom 07.10.2010 – 1 StR 404/​10 Rn. 2; zu den Vor­aus­set­zun­gen wirk­sa­mer Zustel­lung Cirul­lies Fam­RZ 2012, 1854 ff.[]
  2. BGH, Beschluss vom 10.05.2012 – 4 StR 122/​12, NStZ 2013, 108, 109[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 15.03.2007 – 5 StR 536/​06, BGHSt 51, 257, 261 Rn. 15; BGH, Beschluss vom 10.05.2012 – 4 StR 122/​12, NStZ 2013, 108, 109[]