Gewerb­li­che Über­füh­rung von Kraft­fahr­zeu­gen

Fahr­ten zur Über­füh­rung von Kraft­fahr­zeu­gen im Rah­men gewerb­li­cher Tätig­keit unter­fal­len nicht der Befrei­ungs­vor­schrift des § 1 Abs. 2 Nr. 5 Berufs­kraft­fah­rer­qua­li­fi­ka­ti­ons­ge­setz (BKrF­QG).

Gewerb­li­che Über­füh­rung von Kraft­fahr­zeu­gen

Die vom Geschäfts­füh­rer einer GmbH, deren Zweck der Han­del mit gebrauch­ten Fahr­zeu­gen ist, ange­ord­ne­te Fahrt – einer Über­füh­rungs­fahrt mit einem LKW mit Anhän­ger für zwei von der GmbH erwor­be­ne PKW zum Betriebs­sitz der GmbH – unter­fällt § 2 Abs. 1 Nr. 2 BKrF­QG; die Befrei­ungs­vor­schrift des § 1 Abs. 2 Nr. 5 BKrF­QG greift – ent­ge­gen der vom Beschwer­de­füh­rer ver­tre­te­nen Auf­fas­sung – vor­lie­gend nicht. Danach bedarf es der vom Berufs­kraft­fah­rer­qua­li­fi­ka­ti­ons­ge­setz ver­lang­ten Qua­li­fi­ka­tio­nen nicht für Fahr­ten mit Kraft­fahr­zeu­gen zur Beför­de­rung von Mate­ri­al oder Aus­rüs­tung, das der Fah­rer oder die Fah­re­rin zur Aus­übung des Berufs ver­wen­det, sofern es sich beim Füh­ren des Kraft­fahr­zeugs nicht um die Haupt­be­schäf­ti­gung han­delt. Bei die­ser Aus­nah­me, die bereits in der Richt­li­nie 2003/​59/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 15.07.2003 über die Grund­qua­li­fi­ka­ti­on und Wei­ter­bil­dung der Fah­rer bestimm­ter Kraft­fahr­zeu­ge für den Güter- oder Per­so­nen­kraft­ver­kehr und zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 3820/​85 des Rates und der Richt­li­nie 91/​439/​EWG des Rates sowie zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 76/​914/​EWG des Rates ent­hal­ten ist, auf die das Berufs­kraft­fah­rer­qua­li­fi­ka­ti­ons­ge­setz zurück­geht, han­delt es sich um eine sog. Hand­wer­ker­klau­sel, die sich in ähn­li­cher Form auch in ande­ren Vor­schrif­ten zum Güter­kraft­ver­kehr fin­det (vgl. Teil 1 Unter­ab­schnitt 1.01.03.01. lit. c ADR) [1]. Mit der tat­be­stand­li­chen Anknüp­fung in § 1 Abs. 2 Nr. 5 BKrF­QG dar­an, dass es sich bei den trans­por­tier­ten Gütern um für die Aus­übung des Berufs benö­tig­tes Mate­ri­al oder Aus­rüs­tung han­deln muss, wird dabei zum Aus­druck gebracht, dass die Befrei­ung nur greift, wenn der durch­ge­führ­te Trans­port im Ver­hält­nis zum Betriebs­zweck bzw. der vom Fah­rer aus­ge­üb­ten Tätig­keit nur unselb­stän­di­ge Zwe­cke erfüllt, wie ins­be­son­de­re der Trans­port von Grund­stof­fen oder Werk­zeug, die für die Erbrin­gung von Werk- oder Dienst­leis­tun­gen benö­tigt wer­den [2]. Eine Abgren­zung kann dabei nur nach wer­ten­der Gewich­tung der Umstän­de des Ein­zel­falls vor­ge­nom­men wer­den. Die­se führt vor­lie­gend dazu, dass dem Trans­port von zum Han­del erwor­be­nen Kraft­fahr­zeu­gen – selbst dann, wenn die­se etwa noch instand­ge­setzt wer­den müss­ten – nicht ledig­lich die von § 1 Abs. 2 Nr. 5 BKrF­QG vor­aus­ge­setz­te unter­ge­ord­ne­te Bedeu­tung des Güter­trans­ports zukommt.

Aller­dings kann ie Ord­nungs­wid­rig­keit nach § 9 Abs. 2 BKrF­QG nicht fahr­läs­sig began­gen wer­den. Da das Gesetz – anders als in § 9 Abs. 1 BKrF­QG – nicht aus­drück­lich auch die fahr­läs­si­ge Bege­hung buß­geld­be­wehrt, kann gemäß § 10 OWiG nur vor­sätz­li­ches Han­deln geahn­det wer­den.

Maß­geb­lich ist daher, ob der Betrof­fe­ne alle für die recht­li­che Ein­ord­nung sei­nes Han­delns maß­geb­li­chen tat­säch­li­chen Umstän­de erkannt hat oder die­se nur recht­lich falsch ein­ge­ord­net hat. Letz­te­res wür­de als Ver­bots­irr­tum den Vor­satz nicht ent­fal­len las­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 28. Okto­ber 2016 – 2 (7) SsBs 583/​16; 2 (7) SsBs 583/​16 – AK 209/​16

  1. dazu OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 04.08.2014 – 2 (7) SsBs 655/​13 – AK 175/​13[]
  2. vgl. dazu die Bei­spie­le in Anhang 3 der vom Bun­des­amt für Güter­ver­kehr her­aus­ge­ge­be­nen und zwi­schen den für die Umset­zung des Berufs­kraft­fah­rer-Qua­li­fi­ka­ti­ons­rechts zustän­di­gen obers­ten Behör­den des Bun­des und der Län­der abge­stimm­ten Anwen­dungs­hin­wei­sen zum Berufs­kraft­fah­rer­qua­li­fi­ka­ti­ons­recht[]