Gewerbs­mä­ßi­ge Urkun­den­fäl­schung

Beim Regel­fall der schwe­ren Urkun­den­fäl­schung nach § 267 Abs. 3 Nr. 1 StGB ist es für das gewerbs­mä­ßi­ge Han­deln nicht erfor­der­lich, dass der Täter sei­ne Ein­nah­men unmit­tel­bar aus der Urkun­den­fäl­schung selbst erzie­len muss. Aus­rei­chend ist die Absicht, mit den gefälsch­ten Urkun­den Betrug­s­ta­ten zu bege­hen und aus die­sem ande­ren Delikt Erlö­se zu erzie­len.

Gewerbs­mä­ßi­ge Urkun­den­fäl­schung

Es reicht viel­mehr aus, wenn die Urkun­den­fäl­schun­gen dazu die­nen sol­len, durch ande­re vom Täter oder Drit­ten beab­sich­tig­te Straf­ta­ten Gewinn zu erzie­len 1.

In der Recht­spre­chung ist aner­kannt, dass zur Begrün­dung von Gewerbs­mä­ßig­keit ein mit­tel­ba­rer Vor­teil des Täters aus­reicht, wenn er ohne wei­te­res dar­auf zugrei­fen kann oder sich selbst geld­wer­te Vor­tei­le aus den Taten über Drit­te ver­spricht 2. Einen mit­tel­ba­ren Vor­teil erlangt der Täter auch dann aus der Tat, wenn die­se nicht selbst direkt zu einer Ein­nah­me führt, aber not­wen­di­ge Zwi­schen­stu­fe für eine Hand­lung ist, aus der Ein­nah­men erzielt wer­den. Es kommt des­halb nicht dar­auf an, ob die Urkun­den­fäl­schung selbst unmit­tel­bar der Gewinn­erzie­lung dient, etwa bei der Her­stel­lung einer unech­ten Urkun­de oder der Ver­fäl­schung einer ech­ten Urkun­de gegen Bezah­lung. Etwas ande­res ergibt sich auch nicht dar­aus, dass das Schutz­gut der Urkun­den­fäl­schung die Sicher­heit des Rechts­ver­kehrs ist. Der Gesetz­ge­ber hat das Regel­bei­spiel der Gewerbs­mä­ßig­keit, das in ver­schie­de­nen Tat­be­stän­den Ein­gang gefun­den hat, nicht an die unmit­tel­ba­re Ver­let­zung des jewei­li­gen Geset­zes­zwecks geknüpft, son­dern an das Han­deln des Täters. Wür­de man eine unmit­tel­ba­re Ver­knüp­fung des spe­zi­fi­schen Merk­mals der Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht mit dem Schutz­zweck des jewei­li­gen Tat­be­stands ver­lan­gen, lie­fen Tat­be­stän­de, die kei­ne Ver­mö­gens­de­lik­te sind, wie etwa § 335 Abs. 2 Nr. 3 StGB weit­hin ins Lee­re 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Juni 2015 – 4 StR 190/​15

  1. BGH, Urteil vom 02.11.2010 – 1 StR 579/​09 57; Urteil vom 21.06.2007 – 5 StR 532/​06; Beschluss vom 17.09.1999 – 2 StR 301/​99, wis­tra 1999, 465; Schönke/​Schröder/​Heine/​Schuster, StGB, 29. Aufl., § 267 Rn. 104; Fischer, StGB, 62. Aufl., vor § 52 Rn. 62[]
  2. BGH, Beschluss vom 01.06.2015 – 4 StR 21/​15, Rn. 11 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 17.09.1999 aaO[]